Obdachlosigkeit: mit dem Iglu durch den Winter

21-01-2019

Für einige Menschen bedeutet der Winter einen Kampf ums nackte Überleben. In Tschechien können Obdachlose bei Schnee und Minusgraden sogenannte Tageszentren wie auch Notschlafstellen aufsuchen, um über die Runden zu kommen. Unter ihnen sind jedoch auch einige, die dieses Angebot nicht nutzen. Für sie stellt die Heilsarmee nun eine ganz spezielle Behausung zur Verfügung, sogenannte Iglus.

Foto: Václav Plecháček, Archiv des Tschechischen RundfunksFoto: Václav Plecháček, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Foto: ČT24Foto: ČT24 In den vergangenen Tagen war die Sozialarbeiterin der Heilsarmee in Ostrava / Ostrau, Michaela Davidová, sehr oft in ihrem Terrain unterwegs. Ihre Aufgabe war es, gemeinsam mit Kollegen den Obdachlosen der Stadt ein ganz besonderes Dach über dem Kopf zu geben. Das schnell errichtete Iglu beschreibt sie so:

„Es ist eine simple Konstruktion aus Schaumstoff. Sie ist zwei Meter lang, einen Meter breit und 80 Zentimeter hoch. Die einzelnen Teile haben Zacken, die ineinander greifen. Schließlich werden das Schlafoval und dessen Zugangsteil mit einem Reißverschluss zusammengehalten. Und fertig ist das Obdach.“

Foto: Václav Plecháček, Archiv des Tschechischen RundfunksFoto: Václav Plecháček, Archiv des Tschechischen Rundfunks Die Nutzer dieser Schlafgelegenheit seien Obdachlose, die aus unterschiedlichsten Gründen die festen Unterkünfte der Heilsarmee und deren Dienste ablehnen. Mit diesen Zeitgenossen sei sie ständig in Kontakt und habe sie daher schon vor dem Winter über das neue Projekt informiert, erklärt Davidová. Aber irgendwie wollte keiner ihrer Schützlinge so recht an das „Wunder“ glauben, sagt die Sozialarbeiterin:

„Als wir die ersten Iglus aufgestellt haben, waren die Betroffenen sehr überrascht. Für sie ist es etwas ganz Neues, also wissen sie nicht, wie es funktioniert. Einige sind auch schon älter, sie begreifen nur langsam. Es waren eigenartige Momente.“

Die sogenannten Iglus werden ihren Nutzer aber nicht geschenkt, sondern nur geliehen. Und am Ende der kalten Jahreszeit werden sie wieder abgebaut, ergänzt Davidová:

Foto: Václav Plecháček, Archiv des Tschechischen RundfunksFoto: Václav Plecháček, Archiv des Tschechischen Rundfunks „Wir suchen einen Obdachlosen auf, von dem wir wissen, dass er sich stets an einem bestimmten Ort aufhält. Wenn wir ihm das Iglu übergeben, erklären wir ihm, wie er damit zu verfahren hat. Zuletzt muss er dann ein Vertragspapier unterschreiben, in dem steht, dass wir ihm das Schaumstoff-Obdach nur leihen und dass die Heilsarmee für keinerlei Risiken haftet, die eintreten könnten.“

Bis Mitte Januar hatte Michaela Davidová schon vier Iglus übergeben. Es waren aber noch einige vorrätig:

„Zurzeit stehen uns zehn Iglus zur Verfügung, die rein aus Spenden finanziert wurden. Wenn wir noch weitere bräuchten, können wir sie nachkaufen. Ein solches Iglu kostet 5000 Kronen.“

Also fast 200 Euro. Die Erfindung dieser mobilen Behausung stammt übrigens aus Frankreich. Die zwei Wegbereiter, die sie in Tschechien publik gemacht haben, sind Pavla Klečková und Manu Chilaud. Beide sind vom Nutzen des Iglus überzeugt. So wie auch Sozialarbeiterin Davidová:

Foto: Václav Plecháček, Archiv des Tschechischen RundfunksFoto: Václav Plecháček, Archiv des Tschechischen Rundfunks „Die Erfinder des Iglus haben bei ihren Tests festgestellt, dass die Nutzer ihr Obdach durch die eigene Körperwärme auf +15 bis + 18 Grad Celsius aufheizen können.“

Der Schaumstoff wirkt dabei als Isolation. Von daher ist es kein Wunder, dass nach Ostrau auch andere Städte wie Hradec Králove / Königgrätz, Olomouc / Olmütz oder Litoměřice / Leitmeritz Interesse an dem Iglu angemeldet haben. Gegenwärtig sei das Projekt in der Probephase, denn es müsse noch von der Führung des Ostrauer Rathauses genehmigt werden. Sollten sich die Iglus aber bewähren, dann werde man sie im Frühjahr desinfizieren, eventuell instand setzen und im kommenden Winter noch gezielter einsetzen, schließt Davidová.

21-01-2019