Einer der’s wissen muss: ein Klinikchef über die Gesundheitsreform

21-01-2011

Am Donnerstag verhandelten Gesundheitsminister Leoš Heger und Ärztevertreter wieder einmal über die zunehmend kritische Situation in den tschechischen Krankenhäusern. Erneut sind aber die Gespräche erfolglos zu Ende gegangen.

Leoš Heger (Foto: ČTK)Leoš Heger (Foto: ČTK) Gedanken über den Zustand des heimischen Gesundheitswesens macht sich auch einer, der jeden Tag aufs Neue mit den verschiedensten Defiziten konfrontiert ist. Der Leiter des Prager Fakultätskrankenhauses Vinohrady, Marek Zeman, schreibt in seinem Gastkommentar für die Mladá fronta Dnes:

„Gesundheitsminister Leoš Heger hat die Grundzüge der tschechischen Gesundheitsreform vorgestellt. Das ist eine Reform von oben, eine Systemreform. Die Reform von unten – die Rationalisierung der Anzahl der Krankenhäuser – haben die Ärzte mit ihrer Protestaktion ‚Danke, wir gehen’ gestartet. Ungewollt und unglücklich.“

Marek ZemanMarek Zeman Zwar würden beide Reformansätze in die richtige Richtung weisen, so Klinikchef Zeman, doch sie lösten bei weitem nicht alle Probleme des tschechischen Gesundheitswesens. Viele Schwierigkeiten seien auch kein tschechisches Spezifikum, sondern einfach durch die steigende Lebenserwartung und den unaufhaltsamen medizinischen Fortschritt bedingt. Die Schere zwischen verfügbarer und bezahlbarer medizinischer Behandlung gehe immer weiter auf:

„Würde jeder Bürger mit solchen Medikamenten und Methoden behandelt werden wie der tschechische Regierungschef in dem Fall, dass er plötzlich vor dem Klinikeingang kollabierte, würde die Finanzierung des tschechischen Gesundheitswesens innerhalb von wenigen Wochen zusammenbrechen.“

Er sei überzeugt, dass der medizinische Fortschritt die Krankenversicherungen und die öffentlichen Haushalte immer weiter unter Druck bringen werde, so Marek Zeman, der Leiter des Prager Fakultätskrankenhauses Vinohrady, in seinem Gastkommentar für die Tageszeitung Mladá fronta Dnes. Es führe deshalb kein Weg daran vorbei, die durch die öffentlichen Krankenversicherungen garantierten und bezahlten Behandlungen immer weiter einzuschränken. Man müsse in Zukunft viel stärker auf private Krankenversicherungen und die Eigenvorsorge der Bürger setzen.

„Eines Tages wird die europäische Gleichmacher-Gesellschaft einsehen müssen, dass jene Leute, die aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten bereit und in der Lage sind, mehr in ihre Gesundheit zu investieren, im Durchschnitt länger leben und auch viel schwerwiegendere Erkrankungen überstehen, als der Rest der Bevölkerung.“

21-01-2011