Große Dvořák-Ausstellung in Prag zeigt auch Original-Partitur der 9. Symphonie

25-06-2011

Ein bedeutendes musikalisches Jubiläum wird in diesem Jahr begangen. Vor 170 Jahren, genauer am 8. September 1841, wurde der berühmteste tschechische Komponist Antonín Dvořák geboren. Anlässlich seines Geburtstags wurde im Tschechischen Museum für Musik eine Ausstellung vorbereitet, die interessante Gegenstände aus der Sammlung des Museums zeigt, aber auch Leihstücke. Das wertvollste Exponat ist die Handschrift der Partitur für die Symphonie aus der Neuen Welt. Markéta Kachlíková hat für eine neue Ausgabe unserer Sendereihe Kultursalon mit der Leiterin des Antonín-Dvořák-Museums in Prag und der Kuratorin der Ausstellung, Eva Velická, gesprochen.

Antonín Dvořák in 1901Antonín Dvořák in 1901 Wir stehen im Tschechischen Museum für Musik, hier wurde kürzlich eine Ausstellung eröffnet, die Antonín Dvořák gilt. Wie haben Sie die Ausstellung konzipiert, was sind die Schwerpunkte?

„Wir wollten natürlich die wichtigsten Dokumente vorstellen, die wir in unserer Sammlung haben. Aber das wäre vielleicht ein bisschen langweilig, und daher wollten wir die Ausstellung auch interaktiv konzipieren. Wir stellen die wichtigsten Manuskripte vor, zeigen aber auch, was Dvořák gerne gemacht hat. So ist das hoffentlich sowohl für Kenner, als auch für Liebhaber von Dvořák interessant.“

Sie haben gesagt, dass sie die wichtigsten Manuskripte zeigen. Welche sind dies?

Partitur der Symphonie „Aus der Neuen Welt“Partitur der Symphonie „Aus der Neuen Welt“ „Natürlich ist es vor allem die 9. Symphonie ´Aus der Neuen Welt´, aber wir haben auch Manuskripte oder Handschriften von den ´Slawischen Tänzen´, den ´Mährischen Duetten´ oder der Oper ´Rusalka´.“

Wo befinden sich normalerweise diese Manuskripte, zum Beispiel die Partitur der Symphonie „Aus der Neuen Welt“? Ist sie ausgestellt oder ist das eine Ausnahme?

„Das ist eine Ausnahme. Normalerweise wird das Manuskript im Tresor aufbewahrt. Auch hier kann es nur für beschränkte Zeit ausgestellt werden, und zwar unter sehr strengen Bedingungen. Dabei geht es um das entsprechende Raumklima, die Temperatur und auch das Licht. Wir müssen auch alle zwei Wochen im Manuskript eine neue Seite aufschlagen, sonst könnten wir dem Manuskript schaden.“

US-Zeitschrift über Antonín DvořákUS-Zeitschrift über Antonín Dvořák Woher stammen die Stücke, die ausgestellt werden, die Sachen, die in der Ausstellung zu sehen sind? Zum Nationalmuseum gehört ja eigentlich auch ein spezielles Dvořák-Museum…

„Genau, das Dvořák-Museum ist Teil des Tschechischen Museums für Musik, welches zum Nationalmuseum gehört. Unsere Dvořák-Sammlung zählt mehr als 8000 Stücke, sie ist einzigartig, es handelt sich um die größte Dvořák-Sammlung der Welt. Aber wir zeigen nicht nur unsere eigenen Sachen, wir zeigen auch Gegenstände aus dem Technischen Museum und sogar aus den USA. Wir haben einige Fotos aus dem Transit-Museum in New York und Indianerbilder aus dem Bufallo-Bill-Museum geliehen.“

Dvořáks Futter aus Sankt PetersburgDvořáks Futter aus Sankt Petersburg Die Ausstellung beginnt mit einem Kapitel über Dvořák als Mensch. Weiter wird auch seine Laufbahn als Musiker und Komponist gezeigt. Was erfährt man im ersten Kapitel?

„Man kann Dokumente sehen, die verschiedene Leidenschaften und Lieben Dvořáks zeigen, oder einfach was er zu Hause oder in der Arbeit gemacht hat. Wir können ein Foto sehen, wo er lacht, was sehr seltsam ist. Daher besprechen wir ein bisschen das Thema Dvořák und Humor. Oder kann man einen Krug sehen, aus dem Dvořák Bier getrunken hat. Man kann sich auch seine Handschrift anschauen und deren grafologische Analyse, die uns sagt, wie Dvořák war, was für ein Mensch er war.“

Antonín Dvořák in 1868Antonín Dvořák in 1868 Sie haben anlässlich der Ausstellung auch eine DNA-Analyse machen lassen. Was hat diese Analyse gezeigt?

„Das ist sehr lustig. Diese Analyse hat gezeigt, dass Dvořáks Chromosom aus dem Gebiet des heutigen Pakistan oder aus Kasachstan stammt.“

Die Ausstellung ist weiter dem Werk und der Laufbahn Dvořáks gewidmet. Welche Schwerpunkte haben Sie dabei gesetzt? Welche Meilensteine, welche Bereiche in seiner Laufbahn sind die wichtigsten für die Ausstellung und für Sie?

„Wir haben kurz Dvořáks Jugend gezeigt. Aus dieser Zeit stehen leider keine Fotos zur Verfügung, und daher hat ein Maler neue Bilder sozusagen rekonstruiert. Ich finde es sehr spannend. Dann zeigen wir, wie Dvořák berühmt geworden ist. Wir zeigen, worum es ging, wenn man die Noten drucken wollte.“

Antonín Dvořák mit seiner Familie in Vysoká bei PříbramAntonín Dvořák mit seiner Familie in Vysoká bei Příbram War das ein entscheidendes Moment für den Komponisten und seine Kariere, dass die Noten herausgegeben wurden?

„Wir finden es entscheidend. Jedenfalls hat es bedeutet, dass Dvořák seine Karriere als Lehrer und Orgel- und Bratschespieler verlassen konnte, um sich nur noch dem Komponieren zu widmen. Dann zeigen wir seine Erfolge als Dirigent und Klavierspieler. Er hat eine große Tournee gemacht, bevor er nach Amerika ging. Es war eigentlich die erste Tournee eines Weltstars. Weiter zeigen wir Dokumente zur Oper ´Rusalka´, da Dvořák nicht nur Symphonien, sondern auch Opern komponiert hat. Weiter gibt es das Kapitel Dvořák und England. Eine Kollegin hat zum Beispiel eine Kopie von Dvořáks Doktortalar geschaffen, die jeder Besucher anziehen kann.“

Antonín Dvořák in EnglandAntonín Dvořák in England Sie sagen Doktortalar. Da muss man wohl bisschen näher erklären, wie Dvořák zum Doktor geworden ist…

„Er war in England so populär, dass er Anfang der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts in Cambridge zum Ehrendoktor ernannt wurde. Dvořák hat sich bei der feierlichen Promotion nicht besonders wohl gefühlt, weil er nichts verstand. Es wurde bei der Feier nur Latein gesprochen, das er leider nicht beherrschte. Und natürlich haben wir das Kapitel Amerika nicht vergessen.“

Wie kam es eigentlich dazu, dass Dvořák in diesen Ländern so populär geworden ist?

„In England war es wahrscheinlich mit seiner Kirchenmusik verbunden, die dort große Tradition hat. Gerade die geistigen Werke haben in England Widerhall gefunden. Als dort sein ´Stabat Mater´ gespielt wurde, waren die Leute total begeistert. Es folgten dann weitere Einladungen für Dvořák, er war insgesamt neun Mal in England. In Amerika kam die Popularität wirklich noch gleich in der Zeit, als er dort war. Seine 9. Symphonie war vom Anfang an eines der meistgespielten Werke Dvořáks.“

Antonín Dvořák mit seiner Tochter MagdaAntonín Dvořák mit seiner Tochter Magda Das Ende, der letzte Saal der Ausstellung, ist dem so genannten zweiten Leben von Dvořák gewidmet, der Rezeption seines Werks im 20. Jahrhundert. Dabei werden auch mit einigen Mythen aufgeräumt, die über Dvořák entstanden sind. Was stimmt also nicht von dem, was über Dvořák überliefert wird?

„Es wird tradiert, seine Musik sei auch im Weltall gespeichert, auf einer Nasa-Plakette. Das stimmt leider gar nicht, darauf befindet sich die Musik von Mozart, aber leider nicht von Dvořák. Ähnlich ist es mit seiner Musik auf dem Mond: Neil Armstrong, der erste Mann auf dem Mond, und sein Freund Aldrin, der dort mit ihm war, die können sich daran nicht mehr erinnern. Man sagt, dass sie Dvořáks Symphonie ´Aus der Neuen Welt´ dort gehört haben, aber die Quellen dazu fehlen leider. Und der dritte Mythos ist, dass Dvořáks ´Largo´ aus der Symphonie ´Aus der Neuen Welt´ zur US-amerikanischen Hymne geworden ist, das stimmt leider auch nicht.“

Zum Schluss vielleicht etwas Persönliches: Sie haben die Ausstellung gestaltet. Was war für Sie dabei am Interessantesten und Spannendsten, gab es eine Überraschung während der Forschung oder während der Vorbereitung der Ausstellung?

„Eine Überraschung war es eigentlich nicht, es war nur eine große Freude, sich mit Dvořák zu befassen. Auch nach einem halben Jahr intensiver Arbeit wird man von Dvořák nicht müde. Es macht einfach wirklich immer Spaß.“

Warum ist das so? Was ist so großartig an ihm?

„Eigentlich alles. Er war ein guter, interessanter Mensch. Wir haben eigentlich nichts Böses oder Schlechtes über Dvořák erfahren. Daher ist es einfach angenehm, mit diesem Mann zusammenzusein.“

 

Die Ausstellung zum 170. Geburtstag des Komponisten Antonín Dvořák ist im Museum auf der Prager Kleinseite bis Ende Februar 2012 zu sehen. Alle Beschreibungen und Begleittexte sind auf Tschechisch und auf Englisch.

25-06-2011