Tapfere Wähler in Brno

30-10-2004

Brno/Brünn ist eine Stadt mit knapp 370.000 Einwohnern. An die 80 Tausend von ihnen sind vor zwei Wochen zu einem Referendum gekommen und haben ihre Meinung über die Standortverlegung ihres Hauptbahnhofs zum Ausdruck gebracht. Ist dies viel oder wenig? Hören Sie dazu ein Feuilleton von Markéta Kachlíková.

Hauptbahnhof in Brno (Foto: www.brno.cz)Hauptbahnhof in Brno (Foto: www.brno.cz) Jedenfalls handelt es sich um das größte regionale Referendum hierzulande, das je stattgefunden hat. Allerdings kam andererseits nur knapp ein Viertel der Stadteinwohner. Dies ist zu wenig, damit die Abstimmung verbindlich sein kann, dafür hätten mindestens 50 % kommen müssen.

Die Frage nach einem Umzug des Hauptbahnhofs, die übrigens in Brno seit 80 Jahren gestellt wird, teilte die mährische Metropole in zwei Lager. Auf einer Seite steht die Brünner Stadtregierung der Bürgerdemokraten und der Christdemokraten, auf der anderen die Sozialdemokraten, die Grünen und weitere etwa zwanzig Gruppierungen.

Zu den Wahlurnen kamen vor zwei Wochen vor allem diejenigen, die sich den Umzug nicht wünschen - 76 Tausend Bürger, d.h. 85 Prozent stimmten gegen die Verlegung des Bahnhofes. Doch es handelt sich immer noch um 85 Prozent von nur einem Viertel der Stadteinwohner, das an der Wahl teilnahm. Und die übrigen drei Viertel der Wahlberechtigten? Der Stadtrat interpretiert das Ergebnis in dem Sinne, dass sie den Umzug unterstützten. Es gibt aber noch eine Möglichkeit: Es ist ihnen völlig egal. Die Passivität der Bürger bleibt hierzulande auch 15 Jahre nach der politischen Wende, die die Möglichkeit öffnete, sich zu öffentlichen Dingen zu äußern und über das gesellschaftliche Geschehen mit zu entscheiden, sehr hoch. Vor denjenigen, die gekommen sind, und vor denjenigen, die durch Plakatieren, Sammeln von Unterschriften und andere Aktivitäten auf die Sache aufmerksam machten und sich für die Ausschreibung des Referendums eingesetzt haben, muss man also den Hut abnehmen. Und gleichzeitig hoffen, dass sie in anderen Städten und Gemeinden immer mehr und mehr Nachfolger finden.

30-10-2004