Täglicher Nachrichtenüberblick Täglicher Nachrichtenüberblick

23-04-2020

Tschechien beginnt mit Tests zur Feststellung der Immunität gegen Covid-19

In Tschechien wird am Donnerstag mit einer großen Testreihe zur Feststellung der Immunität in der Bevölkerung gegenüber dem Coronavirus begonnen. Dazu werden bis zu 27.000 Menschen getestet, und das an mehreren Orten mit einer unterschiedlichen Quote einer Covid-19-Ansteckung. Die ausgewählten Standorte sind Prag, Brno / Brünn und Umgebung, Litoměřice / Leitmeritz in Nordböhmen sowie die mährische Region um Olomouc / Olmütz einschließlich der Städte Litovel / Littau und Uničov / Mährisch Neustadt. Die beiden letztgenannten Städte sind von der Ansteckung mit dem Covid-19-Erreger stark betroffen, hier waren rund 24.000 Menschen zwei Wochen lang in Quarantäne.

Die repräsentative Studie soll zeigen, wie hoch der Anteil der Menschen in der Bevölkerung ist, die bereits Antikörper gegen das neuartige Coronavirus gebildet haben. Daraus wolle man ableiten, wie sich die Erkrankung mit dem Erreger im Land ausbreiten könnte. Die Ergebnisse der Studie werden für Anfang Mai erwartet.

Prager Stadtgericht kippt vier Regierungsmaßnahmen zur Corona-Krise

Das Prager Stadtgericht hebt mit Wirkung vom 27. April vier Maßnahmen des Gesundheitsministeriums zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie auf. Es sind Regelungen, die die Freizügigkeit der Bürger sowie den Einzelhandel beschränken. Dem Urteilsspruch nach sind sie ungesetzlich, weil sie von der Regierung nicht unter den Bedingungen des Krisengesetzes getroffen worden seien. Das Gericht entsprach damit einer Klage des Gesundheitsrechtsexperten Ondřej Dostál, der die Regelungen als willkürlich, chaotisch und unverständlich kritisierte. Das Urteil des Stadtgerichts ist rechtskräftig.

Nach Aussage von Präsident Miloš Zeman nehme das Gericht mit dieser Entscheidung jedwede Verantwortung für die Folgen auf das Leben und die Gesundheit der Bürger sowie für die Wirtschaft des Landes auf sich. Laut Innenminister Jan Hamáček bestätige der Urteilsspruch, dass man nur unter der Voraussetzung des Notstands einschneidende Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus beschließen kann. Konkret hat das Gericht die Maßnahmen vom 25. März und 17. April gekippt, die Einschränkungen im Einzelhandel betreffen. Und zum Zweiten die Maßnahmen vom 23. März und 15. April, die die Freizügigkeit von Personen beschneiden.

Opposition: Gerichtsurteil bestätigt ungesetzliches Vorgehen der Regierung

Das Urteil des Prager Stadtgerichts über die Aufhebung vierer Maßnahmen des Gesundheitsministeriums bestätige die vorherigen Befürchtungen, dass die Regierung aus Ano-Partei und Sozialdemokraten (ČSSD) im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie ungesetzlich vorgehe. Das ist der einhellige Standpunkt der Opposition im Parlament mit Ausnahme der Okamura-Partei SPD. Wie der Parteichef der Bürgerdemokraten (ODS) Petr Fiala schrieb, belege das Urteil die Unfähigkeit der Regierung. Der Chef der Piraten-Partei, Ivan Bartoš, bemerkte mit Verweis auf einige Begründungen des Gerichts, dass seine Partei auf die gleichen Risiken schon von Anfang an aufmerksam gemacht habe. Von Seiten der Opposition waren auch Forderungen nach einem Rücktritt von Gesundheitsminister Adam Vojtěch (parteilos) oder aber des gesamten Kabinetts zu vernehmen.

Sein Ministerium werde Lösungen suchen, wie man dem Gerichtsentscheid unter Beibehaltung der gegenwärtigen Maßnahmen entsprechen könne, erklärte am Nachmittag der Gesundheitsminister. Die Diskussion darüber sei rechtens, man müsse nur die Form der erhobenen Maßnahmen mit dem Gesetz in Einklang bringen, meinte Vojtěch.

Regierung beschleunigt Ausstieg aus Anti-Pandemie-Maßnahmen

Auf der Grundlage des epidemiologischen Verlaufs der Coronavirus-Pandemie in Tschechien hat die Regierung in Prag am Donnerstag eine weitere Lockerung ihrer Krisenmaßnahmen beschlossen. Danach werde der Abschluss des nach Ostern vorgestellten Fünf-Stufen-Plans zur Aufhebung der Beschränkungen um zwei Wochen vorgezogen. Anstatt am 8. Juni soll er nun bereits am 25. Mai enden. Schon am kommenden Montag werden demnach alle Betriebsstätten mit einer Fläche von bis zu 2500 Quadratmetern öffnen können, wenn sie einen eigenen Eingang haben. Ursprünglich sollte dies stufenweise nur Geschäften und Werkstätten mit 200 und 1000 Quadratmetern vorbehalten sein. Die Veränderungen verkündete der Vizepremier und Minister für Industrie und Handel, Karel Havlíček (parteilos), am Nachmittag vor Journalisten.

Ab dem kommenden Montag werden ebenso wieder alle Autoschulen und Fitnesszentren ihren Betrieb aufnehmen. Ab dem 11. Mai wird anhand des neuen Regierungsplans mit der Öffnung von Restaurants mit Freiterrasse, Biergarten oder Ausgabefenster gerechnet. Ebenso sollen wieder Friseure, Museen, Galerien und Ausstellungssäle öffnen dürfen. In der letzten Phase sollen dann ab dem 25. Mai alle restlichen Restaurants sowie Übernachtungseinrichtungen folgen. Ebenso soll es eine erste Lockerung für Kultur- und Sportveranstaltungen geben.

Filmschaffende drehen Tierfilm im menschenleeren Prag

Die wohl einzigen Filmaufnahmen, die derzeit in Tschechien unter den Bedingungen der Corona-Krise gedreht werden können, haben tierische Hauptdarsteller. Es sind auch die Lebewesen, die keinen Mundschutz tragen müssen. Ihr Verhalten in der Natur wird von einem kleinen Drehstab festgehalten, der weitere Aufnahmen macht für das Dokument „Planeta Praha“ (Planet Prag). Das Projekt schließt an das Dokument über die tschechische Natur aus dem Jahr 2018 an. Die Verfilmung „Planeta Praha“ war sehr erfolgreich: Neben den hohen Besucherzahlen von mehreren Hunderttausend Kinogängern erhielt das Werk eine Reihe von Filmpreisen und war auch für den nationalen Top-Preis, den Tschechischen Löwen, nominiert.

Aufgrund der ziemlich menschenleeren Straßen und Plätze in der tschechischen Metropole können sich Vögel und andere Tiere hier schon seit einigen Wochen wie in einer tatsächlichen Wildnis fühlen. Die Filmaufnahmen werden seit April von einem Stab unter der Führung der Regisseure Marián Polák und Jan Hošek gedreht, informierte Martina Reková vom Drehstab am Donnerstag die Nachrichtenagentur ČTK.

Schwangere Biathletin Veronika Vítková beendet Karriere

Die tschechische Biathletin Veronika Vítková beendet ihre aktive Karriere. Das gab die 31-Jährige am Donnerstag in einem Gespräch für die Nachrichtenagentur ČTK bekannt. Ein gewichtiger Grund für diesen Entschluss sei der Nachwuchs, den sie noch in diesem Jahr erwarte. Wenn alles normal verlaufe, werde sie den ersten Sprössling von ihr und Trainer Marek Lejsek zwischen Ende November und Anfang Dezember zur Welt bringen, so die Schwangere.

Veronika Vítková hat in ihrer 15-jährigen Sportlerlaufbahn zwei olympische Medaillen und einen Weltmeistertitel errungen. Der WM-Sieg gelang ihr 2015 in Kontiolahti mit der tschechischen Mixstaffel, ein Jahr zuvor gewann sie mit diesem Quartett auch Olympiasilber in Sotschi. Ihren größten Erfolg in einem Einzelwettbewerb erzielte sie bei den Spielen 2018 in Pyeongchang mit dem Gewinn der Bronzemedaille im Sprint. In derselben Disziplin gewann sie 2015 auch das Rennen im thüringischen Oberhof, es blieb ihr einziger Weltcupsieg im Einzel. Aufgrund von gesundheitlichen Problemen hat Vítková in der abgelaufenen Saison nur noch an einem Weltcup-Rennen teilgenommen.

Das Wetter am Freitag, dem 24. April 2020

Am Freitag ist es in Tschechien überwiegend heiter, von Nordwesten her aber zieht vorübergehend Bewölkung auf. Die Tageshöchsttemperaturen liegen bei 18 bis 22 Grad, in Höhenlagen um 1000 Meter schwanken die Höchstwerte um 13 Grad Celsius. Es weht ein schwacher bis mäßiger Wind aus unterschiedlichen Richtungen.

23-04-2020