Täglicher Nachrichtenüberblick Täglicher Nachrichtenüberblick

15-04-2020

Hamáček: Exit-Plan aus Anti-Corona-Maßnahmen ist vernünftig

Der Exit-Plan zur schrittweisen Lockerung der Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Covid-19-Erkrankung ist laut Innenminister Jan Hamáček (Sozialdemokraten) ausgewogen und umsichtig. Nach der Sitzung des zentralen Krisenstabs am Mittwoch sagte er vor Journalisten, dass er mit den Ergebnissen der tags zuvor stattgefundenen Verhandlungen der Regierung zufrieden sei. Der Plan sei so konzipiert, dass man letztlich noch die Notbremse ziehen könne, wenn sich die Zahl der mit dem neuartigen Coronavirus infizierten Bürger wieder erhöhen sollte, bemerkte Hamáček.

Die Regierung hat am Dienstag ihren Plan zur Lockerung der restriktiven Maßnahmen zur Entgegnung der Pandemie vorgestellt. Danach dürfen Geschäfte, Dienstleistungsbetriebe oder Gedenkstätten wieder öffnen sowie kulturelle und sportliche Aktionen erneut aufgenommen werden. Dies soll in fünf Etappen vom 20. April bis zum 8. Juni geschehen.

Unterricht in der Unterstufe wird in kleineren Gruppen fortgesetzt

Wenn am 25. Mai die ersten Kinder in die Klassenräume ihrer Schulen zurückkehren, dann müssen sie voraussichtlich schon keinen Mundschutz mehr tragen. Das sagte Bildungsminister Robert Plaga (Partei Ano) am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Prag. Der Unterricht in der Unterstufe der Grundschule werde indes in kleineren Gruppen von maximal 15 Schülern erfolgen. Der Unterricht wird am Vormittag durchgeführt, am Nachmittag wird die schulische Betreuung als eine Art Schulhort fortgesetzt. Dabei werden die zuvor gebildeten Gruppen beibehalten, erläuterte der Minister. Wenn die Eltern ihre Kinder in diese Schulgruppen geben, verlieren sie automatisch den Anspruch auf das derzeit vom Staat gewährte Betreuungsgeld, ergänzte Plaga.

Falls die Kinder nur einzeln in ihren Schulbänken sitzen, dann sei es nicht erforderlich, dass sie während des Unterrichts einen Mundschutz tragen, präzisierte Plaga. Nach Ansicht des Koordinators des Epidemiologischen Teams im Gesundheitsministeriums, Rastislav Maďar, sei es auch gar nicht vorstellbar, dass Kinder den gesamten Unterricht mit verhüllten Sinnesorganen wie Nase und Mund wahrnehmen. In bestimmten Fällen aber müsse das letztlich der Lehrer entscheiden, hieß es.

Wie Plaga bereits am Dienstag ankündigte, werden die Schulen, Gymnasien und Hochschulen hierzulande schrittweise wiedergeöffnet. Den Anfang sollen am 11. Mai die Abiturienten machen, sofern es gesundheitliche Lage im Land zulässt.

Modellschätzung: Ende April wird Tschechien 10.000 Covid-19-Fälle haben

Bis Ende April wird es in Tschechien rund 10.000 Ansteckungen mit dem Covid-19-Erreger geben. Zugleich wird erwartet, dass ein Viertel davon ältere Menschen sein werden. Das geht aus einem kumulativen Modell hervor, das vom Institut für Gesundheitsinformationen und Statistik (ÚZIS) entwickelt und am Mittwochmorgen auf einer Pressekonferenz in Prag erläutert wurde.

In dem Modell werden auch die bisher unentdeckten Fälle in der Bevölkerung berücksichtigt. Die aktuellen Annahmen gehen von etwa 10 Prozent aus, sagte der Direktor des Amtes, Ladislav Dušek, vor Journalisten. Seine Behörde präzisiert ihre Schätzungen ständig. Eine Woche vor Ende März sagte sie für Mitte April zirka 8000 positive Covid-19-Fälle voraus. Am 1. April korrigierte sie diese Zahl auf 5600, was sich bestätigte. Auch zu Ostern sei es zu keiner unkontrollierten Ausbreitung des Coronavirus im Land gekommen, erklärte Dušek. Nach Meinung von Gesundheitsminister Adam Vojtěch (parteilos) sei es grundsätzlich wichtig, dass die Zahl derjenigen, die ihre Erkrankung in einem Krankenhaus behandeln müssen, nicht weiter steigt.

EU-Kommission hebt Sperre gegen Agrofert auf, Tschechien zieht Klage zurück

Die tschechische Regierung wird die beim Europäischen Gerichtshof eingereichte Klage vom Februar wegen eingestellter Subventionen für die Agrofert Holding zurückziehen. Laut dem Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, Vojtech Bílý, hat die Europäische Kommission ihre Entscheidung für nichtig erklärt, von daher habe die Klage ihren Sinn verloren. Gleichzeitig hat die Kommission aber eine neue Entscheidung getroffen, mit der die Zahlung für ein Projekt ausgesetzt wird. Deshalb werde das Ministerium vermutlich vorschlagen, dass das Kabinett als Reaktion auf die aktuelle Stellungnahme der Europäischen Kommission eine neue Klage einreicht, informiert das Internetportal iRozhlas.cz.

Brüssel hatte die Zahlungen für Agrofert wegen der laufenden Prüfung eines möglichen Interessenkonflikts von Premier Andrej Babiš (Partei Ano) ausgesetzt. Es war Geld für Projekte, die im letzten Quartal 2018 und im ersten Quartal des vergangenen Jahres aus dem Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums finanziert wurden und sich auf 6,3 Millionen Kronen (235.000 Euro) beliefen. Dass die EU-Kommission diese Entscheidung nun annulliert habe, könne man als einen Sieg ansehen, sagte der Regierungsbeauftragte für die Vertretung des tschechischen Staates vor dem EU-Tribunal, Martin Smolka. Er halte es jedoch für sinnvoll, erneut zu klagen, wenn Brüssel im Rahmen einer Untersuchung zum Interessenkonflikt von Premierminister Babiš weiterhin Geld für ein Projekt sperrt.

Prag eröffnet Arbeiten zur Umgestaltung des unteren Wenzelsplatzes

Mit dem symbolischen Hammerschlag auf einen Stein haben Vertreter des Prager Magistrats am Mittwoch die Arbeiten zur Umgestaltung des Wenzelsplatzes in seinem unteren Teil feierlich eröffnet. Die ersten Arbeiter erscheinen am Donnerstag, um das Einzäunen der Baustelle vorzunehmen. Die Umgestaltung des berühmten Platzes in seinem westlichen Teil beginnt am Montag. Dabei soll die Fußgängerzone zu Lasten des Autoverkehrs vergrößert werden, hinzukommen sollen außerdem mehrere Trinkbrunnen und Grünflächen. Die Innovation wird in etwa 330 Millionen Kronen (12 Millionen Euro) kosten und soll im Dezember 2021 komplett vollzogen sein, sagte Prags Oberbürgermeister Zdeněk Hřib (Piraten-Partei) am Mittwoch vor Journalisten. An der feierlichen Eröffnung der Baumaßnahme nahmen weitere Vertreter der Hauptstadt und der Firmen teil, die die Umgestaltung durchführen werden.

In etwas weiterer Zukunft soll auch der obere Teil des Wenzelsplatzes verändert werden. Geplant ist dabei unter anderem die Rückkehr einiger Straßenbahnlinien.

Morgenfröste: Im Böhmerwald bis minus 10 Grad, Glatteis im Riesengebirge

Tschechien hat den kältesten Morgen dieser Woche erlebt. Die stärksten Fröste wurden Mittwochfrüh auf den Hochebenen des Böhmerwalds registriert, hier bewegten sich die Temperaturen um minus 10 Grad. Der tiefste Wert wurde auf der Ebene Rokytská slať (Weitfällerská) mit minus 12,4 Grad Celsius gemessen. In den nächsten Tagen wird es wieder wärmer, informierte das Tschechische Hydrometeorologische Amt (ČHMÚ).

Für das Riesengebirge warnt die Bergwacht allerdings vor Glatteis. Auf den Kämmen der dortigen Berge liegt noch bis zu 90 Zentimeter Schnee, in den Lawinengebieten gilt die erste Warnstufe auf der Skala von fünf Stufen.

Das Wetter am Donnerstag, dem 16. April 2020

Am Donnerstag ist es in Tschechien heiter bis wolkenlos, und es wird wieder wärmer. Die Tageshöchsttemperaturen steigen auf 19 bis 23 Grad, in Höhenlagen um 1000 Meter schwanken die Höchstwerte indes um 12 Grad Celsius. Es weht ein schwacher Westwind, der tagsüber leicht zunimmt.

15-04-2020