Der frühere Außenminister Jiří Dienstbier ist tot

08-01-2011

Der erste tschechoslowakische Außenminister nach der Samtenen Revolution von 1989, Jiří Dienstbier, ist tot. Dienstbier verstarb am Samstag im Alter von 73 Jahren nach längerer Krankheit im Prager Krankenhaus Vinohrady. Der frühere Dissident und Journalist war immer noch als parteiloser Senator für die Sozialdemokraten politisch aktiv.

Jiří Dienstbier, foto: ČTKJiří Dienstbier, foto: ČTK Jiří Dienstbier hatte sich vor allem als erster tschechoslowakischer Außenminister nach der Wende von 1989 in die Geschichte Europas eingeschrieben. Gemeinsam mit seinem Amtskollegen aus der Bundesrepublik Deutschland, Hans-Dietrich Genscher, hatte er den Eisernen Vorhang auch symbolisch am Grenzübergang Rozvadov/Waidhaus zerschnitten. 1992 trat er als Außenminister zurück. Später war Jiří Dienstbier drei Jahre lang als UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte im ehemaligen Jugoslawien tätig.

Noch als Student war Dienstbier 1958 der kommunistischen Partei beigetreten, berichtete aber in der Folgezeit als Auslandskorrespondent des Tschechoslowakischen Rundfunks auch staats- und parteikritisch. Den Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes 1968 und die damit einhergehende Niederschlagung der Demokratisierungsbewegung, des so genannten „Prager Frühlings“, verurteilte Dienstbier. Er wurde aus der kommunistischen Partei ausgeschlossen und mit Berufsverbot belegt, war aber fortan als Oppositioneller im Untergrund aktiv. Er unterzeichnete mit vielen anderen Dissidenten die Protestnote Charta 77 und wurde 1979 für drei Jahre inhaftiert. Aber auch nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis war Jiří Dienstbier als Dissident und Untergrund-Journalist aktiv. Während der Wende von 1989 war er Mitbegründer des Bürgerforums und wurde schließlich unter der Präsidentschaft Václav Havels zum ersten tschechoslowakischen Außenminister nach der Samtenen Revolution.

1990 hatte Jiří Dienstbier gemeinsam mit seinem Amtskollegen Hans-Dietrich Genscher die Deutsch-Tschechische Historikerkommission gegründet. 2004 erhielt er mit Genscher dafür den Kunstpreis für deutsch-tschechische Verständigung des Münchner Adalbert-Stifter-Vereins.

08-01-2011