|
|
 | |
34. Todestag von Jan Palach
Vor 34 Jahren, am 16. Januar 1969 entflammte auf dem Wenzelsplatz
in Prag ein Feuer. Der 20jährige Student Jan Palach hatte sich mit
Benzin übergossen und daraufhin selbst angezündet, um öffentlich
gegen die Okkupation der damaligen Tschechoslowakei durch die
Warschauer Paktstaaten im August 1968 zu protestieren.
Drei Tage kämpfte Jan Palach mit den Folgen der Verbrennungen in
einer Prager Klinik. Er rang um sein Leben. Trotz seines kritischen
Gesundheitszustands und der starken Schmerzen erklärte er der
Umgebung die Motive seiner Tat und interessierte sich auch für die
Reaktion seitens der Öffentlichkeit. "In der Geschichte gibt es
Momente, wo es notwendig ist, etwas zu tun. Nun ist die Zeit dafür
gekommen. In einem halben Jahr, in einem Jahr wird es schon für
immer zu spät sein," sagte der junge Mann, der sich bei seiner Tat
zwar des Todesrisikos bewusst war, aber trotzdem nicht sterben
wollte.
Jan Palach wurde am 11. August 1948 geboren. Er wuchs im kleinen
mittelböhmischen Städchen Vsetaty bei Melnik auf. Nach dem Abitur
am Gymnasium in Melnik begann er an der ökonomischen Hochschule zu
studieren, im zweiten Studienjahr wechselte er jedoch zur
Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität, wo er sich für die
Fächer Geschichte und politische Ökonomie einschrieb. Sein
Interesse für das aktuelle Geschehen belegt u.a. Palachs
Seminararbeit vom Herbst 1968, in der er einen Weg suchte, wie die
wirkliche Freiheit des Einzelnen und die Gleichheit zwischen
Nationen erreicht werden kann.
Im November 1968 nahm Jan Palach an einem Studentenstreik teil, der
auf die Versammlung des Zentralkommitees der Kommunistischen Partei
der Tschechoslowakei reagierte. Dem Studentenprotest gegen die
Massnahmen des Zentralkommitees, die die August-Okkupation durch
die Truppen des Warschauer Paktes legalisiert hatten, war jedoch
kein Erfolg beschieden. Jan Palach entschloss sich daher einige
Wochen später für einen radikaleren Schritt.
Das Begräbnis des Studenten Jan Palach am 25. Januar verwandelte
sich in eine Massendemonstration für Freiheit und Demokratie. Sein
Grabmal am Olsany-Friedhof in Prag wurde zum Symbol des Widerstands
gegen das kommunistische Regime. Viele Leute besuchten dieses Grab,
obwohl sie dabei von der Geheimpolizei bespitzelt wurden. Im
Oktober 1973 wurden Palachs sterbliche Überreste nach Vsetaty
verlegt. Auch danach galt die Grabstätte auf dem Olsany-Friedhof
als Treffpunkt von Regimegegnern, die sich hier - aber auch in
Vsetaty und an der St.-Wenzels-Statue auf dem Prager Wenzelsplatz -
alljährlich zum Todestag Jan Palachs versammelten.
Im Januar 1989 riefen fünf unabhängige Initiativen zu einer
Demonstration zum 20. Todestag Jan Palachs auf dem Prager
Wenzelsplatz auf. Bei der Kranzniederlegung am St.-Wenzels-Denkmal
wurden 14 Repräsentanten der Opposition abgefangen. Die
Demonstration bedeutete den Beginn der sog. Palach-Woche, während
der an jedem Nachmittag - vom Montag dem 16. bis Donnerstag dem 19.
Januar - Tausende Bürger gegen das kommunistische Regime
protestierten. Die Polizei jagte die Demonstranten mit Hilfe von
Wasserwerfern auseinander, 1400 Personen wurden gefangengenommen.
Der Name Jan Palach erklang auf den Strassen auch am 28. Oktober
1989 während der Kundgebung zum 71. Gründungsjubiläum der
Tschechoslowakei und während der "samtenen Revolution" im November
desselben Jahres.
1990 wurden die sterblichen Überreste von Jan Palach unter
Teilnahme von Präsident Václav Havel feierlich an ihre
ursprüngliche Stelle, auf den Friedhof in Prag-Olsany umgebetet.
Ein Jahr später erhielt Jan Palach in memoriam die höchste
tschechoslowakische Staatsauszeichnung - den T. G. Masaryk-Orden.
|
|
|
|