SPORTREPORT
Mai 19, 1997
Ahoj und willkommen, liebe Hörer, beim Sportreport von Radio Prag. Unsere Themen heute: Motorsport, Judo, Sportaerobic, Leichtathletik und Fussball . Gute Unterhaltung wünscht Ihnen dabei in den kommenden Minuten Franz-Josef Balkhausen.
Mit dem Thema Motorsport hatten wir uns im letzten Sportreport beschäftigt und mit Motorsport beginnen wir auch heute. Bei der Ralley Bohemia im kommenden Juni nämlich soll die Rennausführung des Skoda-Oktavia Premiere haben. Ein dreiviertel Jahr hatten die Techniker und Mechaniker von Skoda-Motorsport an der Rennversion gearbeitet. Teilnehmen wird der Oktavia an der Ralley Bohemia im eigentlichen Sinne zwar nicht - er wir die Rennstrecke im Vorfeld des Rennens lediglich abfahren -, doch wenn der Gesamteindruck überzeugend sein sollte, wird der Skoda Oktavia Ende August in Finnland bei der "Ralley der 1000 Seen" erstmals seine Qualitäten unter Beweis stellen.
Sehr gute lassen es zu Beginn der diesjährigen Leichtathlethik-
Saison die tschechischen Spitzenathleten angehen. Allen voran die
Bronze-Medaillengewinnerin im Dreisprung bei den Olympischen
Spielen in Atlanta, Sárka Kaspárková. Nach dem Erfolg von vor zwei
Wochen beim ersten Leichtathletik-Grand Prix dieses Jahres in Rio
de Janeiro, wo die Kaspárková dank ihres 14 1/2m-Sprungs auf dem
Siegertreppchen gestanden hatte, gewann die KaÊpárková nun auch
beim zweiten Grand Prix in Osaka. Damit führt Sárka Kaspárková nun
in der Grand-Prix-Wertung mit der maximal möglichen Höchstzahl von
18 Punkten. Die Kaspárková hatte in Osaka übrigens doppelten Grund
zur Freude. Ihr Sprung von 14.72m bedeutete nämlich nicht nur den
Sieg, sondern auch Jahresweltbestleistung.
Erfolgreich in Osaka war übrigens auch der tschechische
Speerwerfer Jan Zelezny. Zu den von Zelezny für dieses Jahr
angepeilten 100 m fehlten zwar noch ein paar Meterchen, doch zum
Sieg reichte sein Wurf über 88.38m allemal.
Die Sterne scheinen den tschechischen Sportlern in den letzten Tagen und Wochen offensichtlich geneigt zu sein. Denn neben den bereits genannten Siegen der tschechischen Leichtathleten und dem überraschend guten Abschneiden - sprich der Bronzemedaille der tschechischen Eishockey-Nationalmannschaft - ist auch noch von einem Silbermedaillen-Gewinn in einer Sportart zu berichten, in der für tschechische Sportler bislang noch nie etwas zu holen war. Die Rede ist von Michaela Vernerová, die vor einer Woche bei den Judo-Europameiesterschaften im belgischen Ostende die überhaupt erste Silbermedaille in der Geschichte des tschechischen Judo- sports gewann. Dabei rauschte die 23-Jährige aus Hradec Králové nur um Haaresbreite an der Goldmeaille vorbei. In Anwesenheit des belgischen Prinzen Phillip lag Micheala Vernerová im Finale gegen die belgische Titelverteidigerin Vandecavey zwar zunächst nach Punkten vorn, doch wurde ihr ein geschickter Konter der Belgierin schliesslich zum Verhängnis. Die Tränen über das Verpassen der schon sicher gegalubten Goldmedaile waren jedoch schon bald wieder getrocknet und die Freude über den überraschenden Gewinn der Silbermedaille war denn auch entsprechend gross.
Bevor wir zum Thema Fussball kommen, möchten wir den Medaillenregen, der derzeit über tschechische Sportler niedergeht, noch ein wenig auskosten. Denn der tschechische Sport kann nun erstmals auch den Weltmeistertitel im Sportaerobik auf der Habenseite verbuchen. Möglich machte dies Olga Sípková, die Aerobic-Vizeeuropameisterin des Vorjahres. Bei den diesjährigen Aerobic-Weltmeisterschaften in Sydney hatte die Sípková bereits in der Qualifikation die Führung übernommen und diese Position dann bis zum Finale nicht mehr abgegeben. Die Männer schnitten übrigens auch nicht schlecht ab. In der Staffel holten sie immerhin noch Bronze. Von allen Teilnehmerländern waren damit die tschechischen Sportler - gemeinsam mit Spanien und Gastgeber Australien - in Sidney am erfolgreichsten.
Ganz ohne Fussball gehts auch im heutigen Sportreport nicht ab.
Die eingefleischten Fussballfans unter unseren Hörern nämlich
sollten ihren diesjährigen Prag-Besuch nach Möglichkeit um den 20.
Juni terminieren. Dann nämlich hätten sie die Möglichkeit bei
einer nicht alltäglichen Fussballgaudi dabei zu sein. An diesem
20. Juni nämlich bestreiten die Altnationalspieler der ehemaligen
Tschechoslowakei ein Freundschaftsspiel gegen eine Star-Auswahl
des vierfachen Fussballweltmeisters Brasilien. Ihre Teilnahme
zugesagt haben auf brasilianischer Seite bereits Luis Pereira, EDU
und vor allem Rivellino, der bei der WM 1970 in Mexiko neben Pele
zu den grossen Stars des damaligen Weltmeisters zählte. Wie
Rivellino sagte, hofft er, dass auf tschechischer bzw.
tschechoslowakischer Seite wieder jener Ivo Viktor im Tor stehen
wird, gegen den er damals in Mexico einen Freistoss der besonderen
Art verwandelt hatte. Und das möchte Rivellino nun im Prager
Letna-Stadion gerne noch einmal wiederholen. Doch zweifelt der
Weltmeister von 1970 selbst am meisten daran, dass ihm das auch
noch ein zweites Mal gelingen wird. Denn so was gelingt einem nur
einmal im Leben, bekannte der brasilianische Ballkünstler vor
Journalisten. Folgendes war an jenem, für die Tschechoslowakei
nicht sehr schmeichelhaften Tag, am 3. Juni 1970, im Jalisco-
Stadion von Guadalajara geschehen:
Nachdem die Tschechoslowakei in der 17. Minute in Führung gegangen
war, pfiff der Schiedsrichter bereits 7 Minuten später Freistoss
für Brasilien. Aus der Sicht des Torwarts war jedoch nicht
auszumachen, ob Rivellino oder aber Pele den Freistoss ausführen
würden- denn beide liefen gleichzeitig an - was nun wieder so
ungewöhnlich nicht ist. Ungewöhnlich war vielmehr, dass die beiden
Brasilianer in einer Art und Weise anliefen, dass sie vom Torwart
nicht gesehen werden konnten. Denn nicht nur tschechoslowakische
Spieler hatten sich in der Mauer postiert, sondern auch eine
Handvoll brasilianischer Rastellis. Und im selben Moment , als
Rivellino dann den Ball traf, öffneten die brasilianischen Spieler
die Mauer - und noch ehe Torwart Viktor auch nur wusste, was Sache
ist, war der Ball auch schon im Netz.
Am Ende hiess es dann 4: 1 für Brasilien. Und da es auch gegen
Rumänien und England eine 1:2 bzw. 0:1-Niederlage gab, war die WM
in Mexiko für das tschechoslowakische Team gleich nach den
Gruppenspielen auch schon wieder zu Ende.
Tja - und am Ende sind wir nun auch mal wieder beim heutigen Sportreport. Ein Wiederhören gibts - wenn Sie Zeit und Laune haben - heute in 14 Tagen. Bis dahin also Ahoj und na shledanou! Am Mikrophon war FJB.
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