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Oktober 2
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Mai 19
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Ahoj und willkommen, liebe Hörer, beim Sportreport von Radio Prag.
Am vergangenen Sonntag war es wieder einmal soweit. Die ganze
Nation schaute nach Pardubice. Denn dort fiel an diesem Tag Punkt
15.30 Uhr - wie an jedem zweiten Sonntag im Oktober - der
Startschuss zur nunmehr 108. Steeplechase von Pardubice, dem
ältesten, härtesten und berüchtigtsten Pferderennen auf dem
europäischen Festland. Grund genug, einmal eine Rückschau zu
halten auf die Geschichte dieses traditionsreichen sportlichen
Grossereignisses. Gute Unterhaltung wünschen Lothar Martin und
Franz-Josef Balkhausen.
Das, was heute ohne Übertreibung als alljährlicher Höhepunkt des
tschechischen Pferdesports bezeichnet werden kann, nahm in der
Mitte des 19. Jahrhunderts als Parforcejagd, dem extravaganten
Hobby vieler Adliger der damaligen Zeit, seinen Anfang. Gerade für
Parforcejagden ist gerade die Gegend um Pardubice wie geschaffen,
erinnert sie in ihrem Chaakter doch nicht wenig an eine englische
Parklandschaft. Und wo wir nun schon bei England sind, wollen wir
nicht verheimlichen, dass auch die Grand National Steeplechase in
Liverpool, die im Jahr 1836 zum ersten Mal ausgetragen wurde,
entscheidenden Einfluss auf die Initiatoren der Pardubitzer
Steeplechase hatte.
Ja, und die Gründerväter der Pardubitzer Stepplechase waren: Graf
Max Ugart, Prinz Emil Fürstenberg und - last not least - Graf
Octavian Kinsky - allesamt Mitglieder der Parforce-Gesellschaft in
Pardubice. Vom Böhmischen Rennverein wurden die Drei mit der
Aufgabe betraut, den Verlauf des Parkours abzustecken und die
Organisation der ersten Pardubitzer Steeplechase zu übernehmen.
Man schrieb den 5. November 1874, als in Pardubice dann erstmals
das Signal des Rennstarters erklang. Von den 14 startenden Pferden
erreichten schon damals nur sechs das Ziel. Die Siegprämie von
8000 Gulden nahm sich damals der englische Jockey Sayers auf dem
Hengst Phantom mit nach Hause. Übrigens forderte dieses erste
Rennen auch schon ein erstes Pferdeleben - eine Trägodie, die sich
bei den folgenden 107 Rennen noch 45 Mal wiederholen sollte.
Obwohl Streckenführung und Anzahl der Hindernisse im Laufe der
Zeit mehrmals geändert wurden, hat sich die Pardubitzer
Steeplechase ihren spezifischen Chaakter bis heute bewahren
können. Heute misst die Strecke genau 6900 m.
Das von Pferd und Reiter am meisten gefürchtete Hindernis ist
zweiffelos der berüchtigte Taxis-Graben, der in puncto
Schwierigkeitsgrad weltweit seinesgleichen sucht. Dazu einige
Zahlen:
Vor dem Taxis-Graben haben die Pferde zunächst eine 1,40 m hohe
und 1,40 m breite Hecke zu überwinden. Gleich hinter dieser Hecke
schliesst ein 5,10 m breiter Graben an, was nach Adam Riese
bedeutet, dass die Pferde vom Absprung bis zum Wiederaufsetzen auf
der Erde eine Weite von rund sieben Metern überwinden müssen.
Seinen Namen erbte dieses - der Reihenfolge nach - vierte der
insgesamt 31 Hindernisse von Fürst von Thurn und Taxis, der sich
von Anfang an für den Erhalt dieses im wahrsten Sinne des Wortes
mörderichen Hindernisses eingesetzt hatte, obwohl auch damals
schon Kritik an diesem Hindernis laut wurde - und dies wohl auch
zu Recht. Doch beurteilen Sie selbst:
Im Jahre 1927 forderte der Taxis-Graben sein erstes Opfer - der
siebenjährige Wallach Doyen brach sich beim missglückten
Übersprung das Genick. 1979 und 1984 kam es zu einem Massensturz -
drei Pferden musste angesichts ihrer schweren Verletzungen der
Gnadenschuss gegeben werden. Zum letzten Mal wurde der Taxis-
Graben seinen Beinamen "Todeshindernis", "Blutbad" oder
"Pferdeschlachthof" im Jahre 1989 gerecht, als zwei Pferde den
übersprung nicht überlebten.
Kein Wunder denn auch, dass sich spätetsens seit der politischen
Wende im Jahre 1989 eine Lawine von Protesten aus dem In- und
Ausland gegen die Pardubitzer Steeplechase im allgemeinen und den
Taxis-Graben im besonderen erhob - unter den Proteststimmen
übrigens auch die der französischen Schauspielerin Brigitte
Bardot. Tierschützer sorgen seither mit den verschiedensten
Protestaktionen Jahr für Jahr für mehr oder weniger grosses
Aufsehen im Vorfeld oder auch während des Rennens.
Und diese Proteste der Tierschützer blieben nicht ohne Wirkung.
Die Hecke vor dem Taxis-Graben wurde aus Sicherheitsgründen um 20
cm gestutzt und der Graben teilweise zugeschüttet. Ausserdem wurde
der Winkel der Fläche, auf der die Pferde nach dem überfliegen des
Grabens wieder aufsetzen, den Bedürfnissen der Vierbeiner besser
angepasst.
Der Taxis-Graben ist zwar das schwerste Hindernis der Pardubitzer
Steeplechase, doch sind auch die übrigen Hindernisse nicht ohne.
Das zeigte sich vor allem im Jahr 1955, als mit insgeamt 34
Stürzen ein bis heute unübertroffener, trauriger Rekord
aufgestellt wurde - zehn Pferde scheiterten damals alleine am
Taxis-Graben. Einen Minus-Rekord der besonderen Art verzeichnete
man auch 1909. Nur ganze drei Pferde gingen in jenem Jahr an den
Start - tja, und nicht ein einziges schaffte es bis ins Ziel.
Lange war die Pardubitzer Steeplechase übrigens eine reine
Männerangelegenheit - und das ist sie eigentlich auch heute noch.
Doch in den zwanziger und dreissiger Jahren wurde das männliche
Teilnehmerfeld dann doch endlich einmal von einer Vertreterin des
angeblich zarten Geschlechts aufgemischt. Lata Brandisova startete
1927 als erste Frau bei der Pardubitzer Steeplechase und belegte
auch gleich einen hervorragenden fünften Platz. Dass dies kein
Zufallserfolg war, bewies die Brandisova dann 11 Jahre später, als
sie 1937 auf der Stute Norma als erste und bis heute einzige Frau
die "Velka Pardubicka" gewann.
Zwischen den beiden Weltkriegen war übrigens nichts mit
Stepplechase in Pardubice. Und auch 1968, als sowjetische Panzer
den Prager Frühling beendeten, liess man die Pferde
vorsichtshalber im Stall. Man befürchtete wohl, dass die 50.000
Zuschauer, die sich alljährlich zur Steeplechase einfinden, dieses
sportliche Grossereignis womöglich zu einer politischen Kundgebung
missbrauchen könnten.
Nachzutragen bleibt noch, mit dem legendären Fuchs Zeleznik das
Rekordpferd der Pardubitzer Stepplechase zu nennen. Zeleznik
gewann in Pardubice zwischen 1987 und 1991 nicht weniger als
viermal. Der Jockey hiess übrigens jedes Mal Josef Vana, der mit
einem anderen Pferd übrigens noch einen weiteren Sieg in
Pardubitze auf seinem Konto verbuchen konnte, was ebenfalls Rekord
bedeutet.
Ja, und beim Thema Sieger sollten wir vielleicht auch nicht
vergessen zu sagen, wer denn nun am vergangenen Sonntag die 108.
Pardubitzer Steeplechase gewann: Die Siegrprämie von 1.280.000
Kronen kassierte trotz starker englischer Konkurrenz der
tschechische Jockey Zdenek Matysik auf dem zehnjährigen Wallach
Peruan. Von dem insgesamt 22-köpfigen Teilnehmerfeld fand übrigens
nach guter alter Pardubitzer Sitte nur ein Bruchteil - nämlich nur
7 Pferde - den Weg ins Ziel.
Damit wären wir für heute wieder einmal am Ende des Sportreports
von Radio Prag angelangt. Ein Wiederhören gibts - wenns beliebt -
heute in 14 Tagen. Bis dahin sagen ... und FJB ahoj und na
shledanou.
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