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NOVEMBER 8, 1998

K U L T U R S P I E G E L

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KULTURSPIEGEL - PRAGER THEATERFESTIVAL DEUTSCHER SPRACHE

Liebe Hörerinnen und Hörer, ich heisse Sie herzlich willkommen beim Kulturspiegel. Seit dem letzten Oktobertag läuft in Prag das bereits dritte Theaterfestival deutscher Sprache. Ich möchte heute gemeinsam mit Ihnen einen Blick auf dessen erste Vorstellungen werfen. Am Mikrophon begrüsst Sie Markéta Maurová.

Einen gewissen Rahmen des ganzen Festivals bilden zwei Vorstellungen des Schweizer Musikers und Regisseurs Christoph Marthaler. Mit der ersten wurde am vergangenen Samstag das Festival eröffnet. Die "Stunde Null oder Die Kunst des Servierens" mit dem Untertitel "Ein Gedenktraining für Führungskräfte" wurde vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg inszeniert. Das Stück entstand aus Anlass des 50. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs als ein kollektives Werk von Regisseur und Schauspielern. Acht anonyme deutsche Politiker bereiten sich darin nach dem Krieg in einer Schule auf ihre neue gesellschaftliche Rolle in einer weiteren Etappe der deutschen Geschichte vor, und ihre Schule verwandelt sich auf der Bühne in eine Art Groteske. "Marthaler gelang es, ein tragikomisch herbes, panoptisches Extrakt der politischen Lächerlichkeit, Peinlichkeit und Geistlosigkeit auf die Bühne zu bringen," konnte man am nächsten Tag in der Tageszeitung Mladá fronta Dnes lesen.

Christoph Marthaler hat zur grossen Freude der Organisatoren sogar Prag persönlich besucht und an einer Diskussion teilgenommen. Meine Kollegin Jitka Mládková hat die Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Schweizer Künstler genutzt:

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Und wie hat sich einer der Auftretenden, der Schauspieler André Jung, während der Vorstellung vor dem Prager Publikum gefühlt?

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Soweit also zur ersten Marthaler-Vorstellung. Gehen wir aber weiter. Statt des Sonntagsmittagsessens konnten sich die Liebhaber der Theatersongs von Bertol Brecht ein Konzert in der Interpretation der "singenden Schauspielerin" und "lebenden Legende", Gisela May, gönnen. Sie brachte ein komponiertes Programm mit Gesang und Erzählungen, Erinnerungen an Brecht und an ihre eigene künstlerische Laufbahn.

Mit dem Lieder-Matinee war das Thema Bertolt Brecht nicht ausgeschöpft. Dieser Persönlichkeit ist auch eine Sonderveranstaltung gewidmet, die im Rahmen des Begleitprogramms des Festivals stattfindet. Sie wurde vom Staatstheater Stuttgart vorbereitet, das sich im übrigen mit einer Inszenierung der Maria Stuart von Friedrich Schiller vorstellt. Zur Brecht-Vorstellung lädt uns nun der Dramaturg des Festivals, Dr. Ondrej Cerny ein:

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Das Festival ging am Dienstag weiter, und zwar - wie im Falle der "Stunde Null" - mit einem auf die politischen Ereignisse reagierenden und sich mit den deutschen Traumata auseinandersetzenden Dramenwerk. Das Schauspiel Leipzig kam zum ersten Mal nach Prag und brachte das Stück "Stecken, Stab und Stangel", mit dem Untertitel "Handarbeiten" von Elfriede Jelinek. Es handelte sich um eine der sog. kleinen Vorstellungen des Festivals, die nur für etwa hundert Zuschauer bestimmt war, wobei das Publikum direkt auf der Bühne, rund um die Schauspieler, sass. Die beiden geplanten Abendvorstellungen waren sofort ausverkauft und so entschlossen sich die Leipziger Schauspieler, noch eine ausserordentliche Nachmittagsvorstellung zu geben. Das Drama entstand auf Grund einer konkreten Begebenheit, nämlich eines Bombenanschlags auf Roma, zu dem es im Februar 1995 im österreichischen Dorf Oberwart kam. "Infolge des engen Kontakts mit den Schauspielern und dank ihrer fein gewobenen Geschicklichkeit und absoluten Disziplin konnten wir eine der brennendsten Aussagen des gegenwärtigen europäischen Theaters sehen," schrieb nach der Vorstellung die Zeitung Lidové noviny.

Die zwei nachfolgenden Abende gehörten der Stadt Wien, namentlich einem Soloauftritt des Schauspielers Otto Schenk und einer Vorstellung des Burgtheaters. Davon aber vielleicht zu anderer Zeit. Ich danke für ihre Aufmerksamkeit und freue mich auf ein Wiederhören. Am Mikrophon war Markéta Maurová.


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