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KULTURSPIEGEL - PRAGER THEATERFESTIVAL DEUTSCHER SPRACHE
Liebe Hörerinnen und Hörer, ich heisse Sie herzlich willkommen beim
Kulturspiegel. Seit dem letzten Oktobertag läuft in Prag das
bereits dritte Theaterfestival deutscher Sprache. Ich möchte heute
gemeinsam mit Ihnen einen Blick auf dessen erste Vorstellungen
werfen. Am Mikrophon begrüsst Sie Markéta Maurová.
Einen gewissen Rahmen des ganzen Festivals bilden zwei
Vorstellungen des Schweizer Musikers und Regisseurs Christoph
Marthaler. Mit der ersten wurde am vergangenen Samstag das Festival
eröffnet. Die "Stunde Null oder Die Kunst des Servierens" mit dem
Untertitel "Ein Gedenktraining für Führungskräfte" wurde vom
Deutschen Schauspielhaus Hamburg inszeniert. Das Stück entstand aus
Anlass des 50. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs als ein
kollektives Werk von Regisseur und Schauspielern. Acht anonyme
deutsche Politiker bereiten sich darin nach dem Krieg in einer
Schule auf ihre neue gesellschaftliche Rolle in einer weiteren
Etappe der deutschen Geschichte vor, und ihre Schule verwandelt
sich auf der Bühne in eine Art Groteske. "Marthaler gelang es, ein
tragikomisch herbes, panoptisches Extrakt der politischen
Lächerlichkeit, Peinlichkeit und Geistlosigkeit auf die Bühne zu
bringen," konnte man am nächsten Tag in der Tageszeitung Mladá
fronta Dnes lesen.
Christoph Marthaler hat zur grossen Freude der Organisatoren sogar
Prag persönlich besucht und an einer Diskussion teilgenommen. Meine
Kollegin Jitka Mládková hat die Gelegenheit zu einem Gespräch mit
dem Schweizer Künstler genutzt:
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Und wie hat sich einer der Auftretenden, der Schauspieler André
Jung, während der Vorstellung vor dem Prager Publikum gefühlt?
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Soweit also zur ersten Marthaler-Vorstellung. Gehen wir aber
weiter. Statt des Sonntagsmittagsessens konnten sich die Liebhaber
der Theatersongs von Bertol Brecht ein Konzert in der
Interpretation der "singenden Schauspielerin" und "lebenden
Legende", Gisela May, gönnen. Sie brachte ein komponiertes Programm
mit Gesang und Erzählungen, Erinnerungen an Brecht und an ihre
eigene künstlerische Laufbahn.
Mit dem Lieder-Matinee war das Thema Bertolt Brecht nicht
ausgeschöpft. Dieser Persönlichkeit ist auch eine
Sonderveranstaltung gewidmet, die im Rahmen des Begleitprogramms
des Festivals stattfindet. Sie wurde vom Staatstheater Stuttgart
vorbereitet, das sich im übrigen mit einer Inszenierung der Maria
Stuart von Friedrich Schiller vorstellt. Zur Brecht-Vorstellung
lädt uns nun der Dramaturg des Festivals, Dr. Ondrej Cerny ein:
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Das Festival ging am Dienstag weiter, und zwar - wie im Falle der
"Stunde Null" - mit einem auf die politischen Ereignisse
reagierenden und sich mit den deutschen Traumata
auseinandersetzenden Dramenwerk. Das Schauspiel Leipzig kam zum
ersten Mal nach Prag und brachte das Stück "Stecken, Stab und
Stangel", mit dem Untertitel "Handarbeiten" von Elfriede Jelinek.
Es handelte sich um eine der sog. kleinen Vorstellungen des
Festivals, die nur für etwa hundert Zuschauer bestimmt war, wobei
das Publikum direkt auf der Bühne, rund um die Schauspieler, sass.
Die beiden geplanten Abendvorstellungen waren sofort ausverkauft
und so entschlossen sich die Leipziger Schauspieler, noch eine
ausserordentliche Nachmittagsvorstellung zu geben.
Das Drama entstand auf Grund einer konkreten Begebenheit, nämlich
eines Bombenanschlags auf Roma, zu dem es im Februar 1995 im
österreichischen Dorf Oberwart kam. "Infolge des engen Kontakts mit
den Schauspielern und dank ihrer fein gewobenen Geschicklichkeit
und absoluten Disziplin konnten wir eine der brennendsten Aussagen
des gegenwärtigen europäischen Theaters sehen," schrieb nach der
Vorstellung die Zeitung Lidové noviny.
Die zwei nachfolgenden Abende gehörten der Stadt Wien, namentlich
einem Soloauftritt des Schauspielers Otto Schenk und einer
Vorstellung des Burgtheaters. Davon aber vielleicht zu anderer
Zeit. Ich danke für ihre Aufmerksamkeit und freue mich auf ein
Wiederhören. Am Mikrophon war Markéta Maurová.
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