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KULTURSPIEGEL
Oktober 27, 1997

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140 JAHRE DER GLASFABRIK "MOSER", EIN TSCHEECHISCH- SCHWEIZERISCHES PROJEKT IM BEREICH DER ARCHÄOLOGIE

140 Jahre ihrer Existenz feiert in diesem Jahr die weltberühmte Glasfirma Moser aus Karlovy Vary (Karlsbad). Aus diesem Anlass hat die Aktiengesellschaft Moser, gemeinsam mit dem Prager Museum für Kunstgewerbe und dem Passauer Glasmusem Passau eine Ausstellung vorbereitet, die die Geschichte dieser Glashütte sowie ihre Produktion von der Gründung bis heute präsentiert. Und dieses Jubiläum ist auch eines der Themen unserer heutigen Kultursendung. Ein anderes Thema ist die Ausstellung auf der Prager Burg, die ein tschechisch- schweizerisches Projekt im Bereich der Archäologie vorstellt. Gute Unterhaltung wünscht Ihnen Marketa Maurova.

Am vergangenen Freitag haben sich die Mitarbeiter des Nationalmuseums in Prag, des Mittelböhmischen Museums in Roztoky bei Prag, Vertreter des Landesmuseums in Zürich, ebenso wie an der Archäologie Interessierte im Lobkowitz-Palais auf der Prager Burg getroffen. In diesem Gebäude des Prager Nationalmuseums wurde nämlich eine Ausstellung eröffnet, die ein interessantes tschechisch- schweizerisches Projekt vorstellt, das sich dem Schutz des Kulturerbes in der Tschechischen Republik widmet. Konkreter - es handelt sich um Verfahren zum Schutz und zur Konservierung von archäologischen Funden aus Metall, die in Böhmen gemacht wurden. Die Ausstellung im Lobkowitz-Palais stellt nicht nur die dafür geschaffenen Apparaturen und die Art und Weise der Konservierung vor, sondern auch die Ergebnisse anhand konkreter archäologischer Funde (zu diesen zählen eiserne Schwerte, Speere und Schilde aus der La-Tene-Zeit, mittelalterliche Funde aus Okor und Velke Prilepy sowie silberne Münzen oder Gegenstände aus Zinn).

Für die Konservierung und Restaurierung, vor allem aber für die Freilegung von archäologischen Gegenständen aus Metall, verwendet das Laborator des Mittelböhmischen Museums in Roztoky bei Prag die plasma- chemische Methode. Dabei handelt es sich um die kontrollierte Reduktion von Metalloberflächen in Wasserstoffplasma. Diese zählt gegenwärtig zu den modernsten Restaurierungsmethoden. 1996 wurde im Mittelböhmischen Museum in Roztoky eine Konservierungsanlage eingerichtet und zwei Experten wurden in der Schweiz für die Arbeit damit ausgebildet.

Verlassen wir nun die archäologischen Funde aus Metall und wenden wir uns dem Glas zu. Wir besuchen gemeinsam eine Ausstellung, die im Prager Museum für Kunstgewerbe zu sehen ist und die Geschichte und Gegenwart der weltberühmten Glasfabrik Moser dokumentiert.

Der Gründer der weltberühmten Firma war Ludwig Moser. Er war ein Sohn des Schneiders Lazar Moser und seiner Frau Henriette, geborene Becher, die sich in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts im prosperierenden Kurort Karlovy Vary (Karlsbad) niedergelassen hatten. In Karlsbad und später in Wien erhielt Ludwig Moser seine Ausbildung im Glaskunsthandwerk und 1857 gründete er seine eigene Manufaktur, der er fast 50 Jahre vorstand. Es waren nicht nur die kunsthandwerklichen Fähigkeiten Ludwig Mosers, die beim Aufschwung des neugegründeten Betriebs eine grosse Rolle spielten, sondern auch die Orientierung auf die Herstellung vom Kunstglas hoher Qualität für die reiche Clientel aus der europäischen Aristokratie, die Karlsbad damals gern und oft aufsuchte. Moser verkaufte nicht nur Trinkbecher für die Kurgäste, sondern setzte sich auch auf ausländischen Märkten durch. Er stellte seine Produkte auf den bedeutendsten Weltausstellungen aus.

Eine künstlerische Blütezeit erlebte die Glashütte in der Epoche des Jugendstils. Typisch für diese Periode waren Vasen und Trinkgläser mit eingraviertem Blumenmuster oder Vasen und Becher mit aufgeklebtem Zierschmuck - der sog-e Karlsbader Jugendstil - und davon ausgehend Glas mit eingelegten und tief eingravierten Blumenkompositionen - Rosen, Schwertlilien, Tulpen, Lilien und Pfingstrosen.

Um 1910 verwarf die Glasmanufaktur den Jugendstil und orientierte sich auf die geometrischen Formen der Moderne. In der Produktion überwog massives, schweres Glas. Formen und Dekor sind auch durch die Rückkehr zur Tradition des Empire und des Biedermeier beeinflusst. Zur selben Zeit kamen auch erste Kollektionen von Gebrauchs- und Zierglas auf, die durch eine ganz besonders effektvolle Moser-Spezialität geziert waren - nämlich mit plastischen Verzierungen und Vergoldungen. Und was kann man auf dieser Ausstellung wertvolles sehen?

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Glasfabrik verstaatlich, die Marke Moser ist dabei glücklicherweise jedoch nicht verschwunden. Die Erzeugnisse von Moser bewahrten sich bis heute eine hohe Qualität und grosse Berühmtheit.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich auf ein Wiederhören. Vom Mikrophon verabschiedet sich Marketa Maurova.


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