KULTURSPIEGEL
September 24, 1997
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PRAGER THEATERFESTIVAL DEUTSCHER SPRACHE
Herzlich willkommen, meine Damen und Herren, bei unserem Kultur- magazin. Wenn Sie unsere Sendungen in den vergangenen Tagen gehört haben, ahnen Sie vielleicht schon, welchem Kulturereigniss wir uns heute widmen werden. Seit mehr als einer Woche läuft das "Prager Theaterfestival deutscher Sprache". Wir blicken heute gemeinsam auf dessen erste Hälfte zurück. Gute Unterhaltung wünscht Ihnen Marketa Maurova.
Das Festival des deutschsprachigen Theaters findet in Prag nach einem erfolgreichen Auftakt im September 1996 bereits zum zweiten Mal statt. Wie im vergangenen Jahr stellen sich jedoch nicht nur Theater aus Deutschland, sondern aus drei deutschsprachigen Ländern vor - also aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die grosse Kultur- veranstaltung wurde an ihrem Eröffnungstag von den Botschaftern der drei beteiligten Länder im Prager Theater in den Weinbergen, dem Hauptveranstaltungsort der Theaterschau, feierlich begrüsst. Die Exzellenzen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, Anton Rossbach, Peter Niesner und Walter Fetscherin:
Das Festival knüpft an die Erfahrungen und den Erfolg des vergangenen Jahres an, doch werden auch Möglichkeiten zu Neuerungen genutzt. Dieses Jahr hat man nicht nur die Angebote einzelner Theater aufgegriffen, sondern eigene Konzepte entwickelt und durchgesetzt. Die Festival-Direktorin, Jitka Jilkova sagt dazu:
Pavel Kohout haben wir nach den ausgewählten Bühnen gefragt. Ist es Absicht oder Zufall, dass sich in Prag überwiegend grosse Theaterhäuser vorstellen?
Völlig neu im Konzept des Prager Theaterfestivals sind die Diskussionen mit Gegenwartsautoren sowie mit den Protagonisten der Vorstellungen. Die Treffen mit Peter Turrini, Urs Widmer und Tankred Dorst veranstaltet das Prager Theaterinstitut.
Wie das letzte, wurde auch das diesjährige Festival durch das Stück eines deutschsprachigen Autoren in tschechischer Darbietung eröffnet. Diesmal war es klassische deutsche Dichtung - nämlich "Faust" von Johann Wolfgang von Goethe. Die Einstudierung für das Prager Ständetheater, eine der Bühnen des Nationaltheaters, wurde dem Regisseur Otomar Krejca anvertraut. Seine Rückehr an das Nationaltheater nach dreissig Jahren wurde mit grosser Spannung erwartet, die Reaktionen der Theaterkritik blieben jedoch zurückhaltend. Krejca beschränkte sich in dem vierstündigen Abend auf den ersten Teil von Goethes Tragödie. Wie er über seine Interpretation sagte, wollte er dem Publikum einen modernen Faust, den Faust im hier und jetzt bieten. Dies war in der Einführung, dem Vorspiel am Theater, am offensichtlichsten. Die Eröffnungsrede des Theaterdirektors über die Möglichkeiten des Theaters und Bedürfnisse des Publikums wurde vom Regisseur geändert und der Gegenwart angepasst.
Klassik war es also, die am Freitag Abend das Festival feierlich eröffnete. Die Schau selbst ist jedoch, wie schon gesagt wurde, der Präsentation von Gegenwartsautoren, -tendenzen und -themen im deutschsprachigen Theater sowie der Vorstellung von Regisseuren der mittleren Generation gewidmet. Die ersten zwei Vorstellungen gehörten dem österreichischen Dramatiker Thomas Bernhard. Mit dessen Stück "Einfach kompliziert" trat an den beiden Wochenendabenden das Stuttgarter Staatstheater auf. Darauf folgte eine Vorstellung des Wiener Burgtheaters - die Tragikomödie "Der Theatermacher" in der Regie von Claus Peymann, eines der skandalträchtigsten Stücke des österreichischen Autors.
Zwei Thomas-Bernhard-Inszenierungen in diesem Jahr und dazu die Tatsache, dass das Wiener Burgtheater bereits im vergangenen Jahr mit einem Bernhardstück "Ritter, Dene, Voss" nach Prag gekommen war. Eine solch breite Wirkung auf dem repräsentativen Festival des deutschsprachigen Theaters drängt die Frage auf, warum es so ist, was für eine Stelle Thomas Bernhard im deutschsprachigen Theater einimmt. Eine Antwort auf diese Frage gab uns der Schauspiel-Intendant des Staatstheaters Stuttgart, Herr Friedrich Schirmer:
Der Mittwoch bildete eine Ausnahme im Programm des Festivals. Es wurde zwar ein österreichischer Autor gespielt, aber von keinem Theater aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz, sondern vom Slowakischen Nationaltheater aus Bratislava/Pressburg. Auf dem Programm stand "Der tollste Tag" von Peter Turrini, eine freie Bearbeitung des bekannten Beaumarchais-Stoffes, ein neues Stück über den Figaro mit neuer Pointe und neuer Moral.
"Top Dogs" so hiess das Gegenwartsstück von Urs Widmer, präsentiert vom Schweizer Theater Neumarkt Zürich. Wie im Programm angegeben, handelt es von einer Gruppentherapie für Manager, die von der Depressions- und Entlassungswelle erfasst werden. Der Schweizer Botschafter, Walter Fetscherin, sagte über das Theater Neumarkt:
Und das Züricher Theater beendete auch die erste Hälfte des Theaterfestivals. Eine Verbindung zu seiner Fortführung in der kommenden Woche bildet eine Diskussion der führenden Theater- Intendanten und Regisseure, die unter dem Namen "Theater Morgen" für Sonntag Abend vorbereitet wurde.
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