Radio Prague


| Radio Prag in deutsch |
| Nachrichten | Aktueller Beitragsblock | Thema Heute | Regionaljournal | Schauplatz |
| Kulturspiegel | Sportreport | Hörerforum | Spaziergang | Geschichte | Touristik |
| Search |
line

NOVEMBER 22, 1998

K U L T U R S P I E G E L

[ November 15 ] [ November 8 ] [ November 1 ]

WOCHE DER ROMA-KULTUR IM TSCHECHISCHEN RUNDFUNK

In den letzten Monaten kann man in der Tschechischen Republik ein zunehmendes Interesse für die Roma-Kultur verzeichnen. Nennen wir nur einige der einschlägigen Veranstaltungen: das Brünner Museum für Roma-Kultur veranstaltete eine Wanderausstellung der Werke nichtprofessioneller Roma-Künstler; in Prag fand im September das Festival der Roma-Musik Respekt 98 statt; die Roma-Thematik wird auch in vielen Zeitschriften häufiger als früher behandelt. Mit einem Projekt, das die Roma-Kultur einem breiteren Publikum näherbringt, kommt nun auch der Tschechische Rundfunk. Seine Station Vltava hat für die nachfolgenden Tage die sog. "Woche der Roma-Kultur" vorbereitet, bei der die Roma-Literatur, -Musik und - Gesellschaft vogestellt wird. Und ich möchte mich im heutigen Kulturspiegel gerade diesem Projekt und der Roma-Thematik widmen. Am Mikrophon begrüsst Sie und gute Unterhaltung wünscht Ihnen Markéta Maurová.

Im Sender Vlatava, dem Kultursender des Tschechischen Rundfunks, wird bereits seit zwei Jahren das Programmprojekt "Mitte des Festlandes" gesendet, in dem man in zahlreichen Literatur- und Musiksendungen auf die Geschichte unseres Landes, das Leben und die Kultur verschiedener Nationen zurückblickt, die hier irgendwann einmal lebten oder noch leben. Und nun sind die Roma an der Reihe. Über die Kultur der Roma weiss man nur wenig. Am bekanntesten ist wohl ihre Musik, vielleicht auch ihre Märchen, aber das ist dann auch schon alles. Was hat also nun der Tschechische Rundfunk vorbereitet? Davon erzählt uns die Dramturgin des Programms, Jarmila Konrádová:

"Es wird die "Woche der Roma-Kultur" sein, die aber eigentlich etwas länger als nur eine Woche dauern wird. Wir beginnen schon am Freitag, mit einem dreistündigen Block, der der Publizistik und Dokumentaristik gewidmet ist. Der Hauptakzent liegt aber auf den literarischen Programmen, auf dem gegenwärtigen Schaffen der Roma in Romanes, für uns natürlich in der tschechichen Übersetzung, für die vor allem Frau Doktor Milena Hübschmannová verantwortlich zeichnet, die Romistik an der Karlsuniversität in Prag lehrt."

Und worauf kann man sich konkret freuen?

"Wir werden in zehn Folgen aus der autobiographischen Prosa von Elena Lacková lesen. Es handelt sich um die erste Roma-Frau, die die an der Karlsuniversität studiert hat. Dann werden wir jeden Tag etwa halbstündige Erzählungen aus dem Werk verschiedener Autoren senden, fünfminütige und grössere Blöcke der Poesie. Dann Essays, die überwiegend von tschechsichen Autoren stammen, die sich aber mit der Geschichte der Roma, mit dem gegenwärtigen Blick auf die Roma-Kultur, mit der Stellung der Roma bei uns befassen. Ich glaube, dass es für viele Leute - und bei mir persönlich war es so - eine grosse Überraschung sein wird, was es in der Roma- Literatur eigentlich gibt. Denn wir wissen noch, dass irgenwelche Märchen existieren, und das Übrige ist für uns unbekannt. Also ich glaube, dass das Programm für unsere Hörer viel Neues bringen kann."

Soviel Jarmila Konrádová zum literarischen Teil des Projekts. Die Musik spielt jedoch natürlich auch eine grosse Rolle: eine Sendung über die Entwicklung der Roma-Lieder sowie über die heute auch im Ausland bekannte Sängerin Vera Bílá und ihre Kapelle Kale und anderes mehr.

Bei der Vorbereitung der Roma-Woche half den Rundfunkredakteuren eine wirkiche Roma-Expertin - Frau Dr. Milena Hübschmannová. Sie lehrt Romistik an der Philospohischen Fakultät der Karlsuniversität in Prag, verfasste ein Lehrbuch und eine Konversation in Romanes, beteiligte sich an der Verfassung eines entsprechenden Wörterbuchs, sie sammelt Werke der Roma-Volksdichtung und übersetzt, dolmetscht und veröffentlicht Artikel in in- und ausländischen Zeitschriften. Auch für den Tschechischen Rundfunk produzierte sie eine ganze Reihe von Roma-spezifischen Sendungen. Ich nahm die "Roma-Woche" zum Anlass für ein Gespräch mit Frau Dr. Milena Hübschmannová.

Das war die Roma-Spazialistin, Milena Hübschmannová. So, es hat ganz en Anschein, dass es langsam in der Tat besser wird. Ein Beweis dafür ist auch die "Woche der Roma-Kultur" im Tschechischen Rundfunk, die gerade beginnt. Und das ist für heute auch schon wieder alles. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich auf ein Wiederhören. Vom Mikrophon verabschiedet sich Markéta Maurová.


© Copyright 1998 Radio Prague All Rights Reserved

Bitte senden Sie uns Meinungen.

RP Home / RP in Deutsch / Kulturspiegel

line

Radio Prague Internet Team
cr@radio.cz

Radio Prague, Vinohradska 12, 12099 Prague 2, Czech Republic
tel (+4202) 240 94 608 * fax (+4202) 242 182 39
WWW http://www.radio.cz/