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Februar 20
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Februar 6
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Johannes von Nepomuk
Vor 606 Jahren, am 20.März 1393, starb in Prag einer derå
bekanntesten böhmischen Märtyrer und Heiligen - Johannes vonå
Nepomuk. Den böhmischen Brückenheiligen kennen wohl dieå
meisten von Ihnen. Doch, Hand aufs Herz, liebe Hörerinnenå
und Hörer, kennen Sie wirklich die Lebensgeschichte deså
Heiligen Johannes von Nepomuk? Falls ja, dann können Sie inå
den folgenden Minuten getrost weghören. Falls Sie sich nichtå
sicher sind, dann hören Sie rein, in das heutige, österlicheå
Kapitel aus der tschechischen Geschichte.
Wie es bei den meisten Heiligen der Fall ist, die vor langer
Zeit gestorben sind, ranken sich auch um das Leben, Sterben
und spätere Wunder des Johannes von Nepomuk die
verschiedensten Legenden. Die bekannteste Legende ist wohl
die, in der der Heilige als Beichtvater der böhmischen
Königin Sophie auftritt. Ihr Gatte, der als jähzornig
geltende Wenzel IV. soll versucht haben, von Johannes von
Nepomuk die Beichte seiner Gattin zu erfahren. Doch der
treue Beichtvater soll allen Torturen widerstanden und das
Beichtgeheimis der Frau Königin mit in die Fluten der Moldau
genommen haben, in die ihn der erzürnte König von der Prager
Karlsbrücke werfen liess, wodurch der Heilige zu Tode kam.
Das einzig historisch Wahre an dieser Geschichte sind wohl
der Ort des Geschehens sowie die Anwesenheit Wenzels IV.
Doch Beichtvater der Königin Sophie war Johannes von Nepumuk
nie gewesen und ein Beichtgeheimnis wurde ihm deshalb auch
nicht zum Verhängnis. Vielmehr wurde ihm das schlechte
Verhältnis zwischen Kirche und König zum Verhängnis, das
sich Ende des 14. Jahrhunderts entscheidend zuspitzte.
Zur Welt gekommen ist Johannes von Nepomuk wahrscheinlich um
das Jahr 1340 im südböhmischen Nepomuk in der Nähe von
Budweis. Über seine Kindheit und Jugend ist nichts weiter
bekannt. Erstmals taucht 1369 die Unterschrift "Johannes
olim Welflini de Pomuk" auf einer Urkunde auf. Zu diesem
Zeitpunkt war Johannes von Nepomuk in Prag Notar. Nach einem
Studium in Prag und Padua begann seine Karriere in der
Kirchenhierarchie, die 1389 in seiner Ernennung zum
Generalvikar, dem zweitmächtisten Mann im Prager Erzbistum,
gipfelte.
Wahrscheinlich wäre Johannes von Nepomuk niemals in die
Geschichte eingegangen, sein Name wäre einer unter tausenden
in der böhmischen Kirchengeschichte geblieben, wenn er im
März des Jahres 1393 mit seiner Unterschrift nicht die Wahl
des neuen Abtes im Kloster Klatruby bestätigt hätte. Diese
an sich banale Tat war Grund für König Wenzel IV. Nepomuk
und weitere Mitarbeiter des Erzbischofes am 19. März 1393
verhaften zu lassen. Denn mit seiner Unterschrift war
Johannes von Nepomuk direkt in die sich seit einigen Jahren
zuspitzende Auseinandersetzung zwischen König Wenzel IV. und
Erzbischof Johann von Jenstein geraten.
Die beiden gegensätzlichen Männer trachteten danach, den
Einfluss des jeweils anderen zu schmälern und die eigene
Macht zu vergrössern. Dabei schienen ihnen alle Mittel recht
zu sein. Anfang 1393 versuchte Wenzel IV. den Einfluss
seines kirchlichen Rivalen erneut zu schmälern, indem er das
Prager Erzbistum durch die Erhöhung des Klosters von
Klatruby zu einem eigenen Bistum verkleinern wollte. Doch
Erzbischof Jenstein war schneller. Nach dem Tode des alten
Abtes ernannte er kurzerhand einen neuen, dadurch konnte
Wenzel seinen Plan nicht mehr durchführen. Dies scheint den
jähzornigen König unglaublich erzürnt zu haben, denn er
schrieb eine Reihe von Drohbriefen an den Kirchenmann, in
denen er diesem unter anderem androhte, ihn in der Moldau zu
ertränken. Da der Erzbischof in jenen Wochen nicht in Prag
weilte, wurden seine engsten Mitarbeiter verhaftet, darunter
auch Johannes von Nepomuk.
Die Verhafteten wurden in die Folterkammer in der Rytirska
unweit des heutigen Wenzelsplatzes gebracht. Wenzel IV. soll
sich persönlich an den Folterungen beteiligt haben, wobei
den meisten Historikern nicht ganz klar ist, was der König
von den Gepeinigten eigentlich erfahren wollte. Das
Beichtgeheimnis der Königin bestimmt nicht. Wie dem auch
sei, Johannes von Nepomuk, der von eher schwächlicher Natur
gewesen sein soll, überlebte die Tortur nicht. Noch in der
selben Nacht liess der König seinen Leichnam von der
Karlsbrücke in die Moldau werfen. Erst knapp einen Monat
später wurde er entdeckt und in der Kirche zum grösseren
heiligen Kreuz bestattet. Drei Jahre später, im November
1396, wurde er in den Veitsdom überführt, wo er seine letzte
Ruhestätte fand.
Erzbischof Johannes von Jenstein zog Konsequenzen aus dem
Vorgehen des Königs und dem Tode seines Mitarbieters, er
verliess Böhmen fluchtartig und zog sich nach Rom zurück, wo
er 1396 verstarb.
Die Legende vom schweigsamen Beichtvater entstand
wahrscheinlich bereits im 15. Jh. in Bayern. Der Chronist
Thomas Ebendorfer von Haselbach beschrieb in seiner
Geschichte der römischen Kaiser die Untaten Wenzels IV. Als
Beispiel führte er das Schicksal des Johannes von Nepomuk
an, den Wenzel in die Moldau habe werfen lasse, da er das
Beichtgeheimnis der Königin nicht preisgeben wollte. Die
historischen Tatsachen dagegen belegt ein Brief des
Erzbischofes Johannes von Jenstein an Papst Urban VI., in
dem er sich bei diesem über das Verhalten König Wenzels auf
das heftigste beschwerte und die Ereignisse jener Nacht
genau schilderte.
Zu einer Verwechslung kam es im 16. Jahrhundert, als an die
Seitenzahl einer Chronik eine Eins hinzugefügt wurde, so
dass für einen unachtsamen Leser auf einmal das Todesdatum
1383 für Johannes von Nepomuk entstand. Diesem Irrtum fiel
1539 Vaclav Hajek von Libocany zum Opfer, der in seiner
Böhmischen Chronik kurzerhand erklärte, es gäbe einen
Johannes von Nepomuk, der 1383 von der Moldaubrücke in den
Fluss geworfen worden sei, weil er das Beichtgeheimnis der
Königin nicht verraten wollte. Zudem gebe es einen anderen
Johannes von Nepomuk, der zehn Jahre später, 1393, auf eben
dieselbe Weise zu Tode gekommen sei, wobei man aber nicht
den Grund kenne. Diese Version der zwei Johannesse lebte
einige Jahrhunderte weiter. Auch der für die spätere
Heiligsprechung zuständige Kirchenmann führte ein falsches
Todesdatum an, nämlich den 16. Mai 1383. Aus diesem Grund
ist bis heute der 16. Mai und nicht der 20. März, der
wirkliche Todestag, der Namenstag des Johannes von Nepomuks.
Mitte des 17. Jahrhunderts nahmen die Bemühungen zu, den
böhmischen Märtyrer Heiligsprechen zu lassen. Doch Rom
forderte weitere Beweise von Wundertaten. Aus diesem Grunde
exhumierte man 1719 die Leiche Nepomuks. Als die Ärzte und
kirchlichen Experten die sterblichen Überreste des Märtyrers
emporhoben, soll aus dem Schädel ein rötliches Gewebe
gefallen sein. "Die Zunge des schweigsamen Beichtvaters"
- alle Anwesenden waren sich einig, das dies nichts anderes
sein konnte - ein Wunder war geschehen, der
Heiligsprechungsprozess beschleunigte sich. 1721 wurde der
zukünftige Brückenheilige selig gesprochen. Am 19. März
1729 wurde Johannes von Nepomuk in die Reihe der von Rom
anerkannten Heiligen aufgenommen. In Prag feierte man dieses
Ereignis einige Tage lang mit unzähligen Prozessionen und
Messen und in der falschen Annahme, dass der neue Heilige
gestorben sei, um das Beichtgeheimnis der Königin zu wahren.
Eine weitere Legende entstand im 19. Jahrhundert mit dem
wachsenden Nationalbewusstsein der Tschechen. Diese sahen
plötzlich in dem Heiligen, dessen Abbild hunderte von
Brücken im Königreich Böhmen schmückte, einen von den
verhassten Jesuiten künstlich erfundenen Heiligen, der die
Aufgabe gehabt hätte, die Tschechen von der Verehrung ihres
Nationalhelden Jan Hus abzulenken und das ungläubige,
protestantische böhmische Volk für den katholischen Glauben
wiederzugewinnen. Nach der Entstehung der selbständigen
Tschechoslowakei 1918 führte jene Behauptung in einigen
Städten und Dörfen zur Zerstörung der Nepomuk-Statuen.
Eines ist sicher: Johannes von Nepomuk ist neben dem hl.
Wenzel und dem hl. Adalbert der bekannteste böhmische
Heilige überhaupt. Rainer Maria Rilke veranlasste der
Brückenkult zum Verfassen des folgenden kurzen Gedichts:
"Auf allen Brucken, lauter, lauter Nepomuken." Die erste
Nepomuk-Stautue wurde bereits vor seiner Heiligsprechung
errichtet, und zwar 1683 auf der Prager Karlsbrücke. Noch
heute ist die Statue des Brückenheiligen die wohl populärste
unter den Statuen auf der Karlsbrücke. Denn das Berühren der
Figur des unglücklichen Märtyrers auf einem unter der Statue
befindlichen Relief soll Glück bringen.
Seine typischen Attribute sind Sternenkranz und Kreuz.
Johannes ist abgesehen von der Muttergottes der einzige
Heilige, dessen Haupt von einem Strernenkranz umgeben wird.
Einer weiteren Legende zufolge ist dieses der Fall, da
Sterne leuchteten, als man seinen Leichnam im trüben
Moldauwasser entdeckte.
Dies könnte auch Goethe zu einem Gedicht veranlasst haben,
dass er bei einem seiner zahlreichen Aufenthalte in den
böhmischen Bädern über Nepomuk verfasste:
Lichtlein schwimmen auf dem Strome
Kinder singen auf den Brücken,
Glocke, Glöckchen fügt vom Dome
sich der Andacht, dem Entzücken.
Lichtlein schwinden, Sterne schwinden
also löste sich die Seele
unsres Heilgen, nicht verkünden
Durft er anvertraute Fehle.
Lichtlein Schwimmet! Spielt, ihr Kinder
Kinder Chor, o singe, singe!
Und verkündiget nicht minder,
was den Stern zu Sternen bringe.
Auch den Kommunisten liess der populäre Brückenheilige keine
Ruhe. Sie wollten einer der Legenden wissenschaftlich auf
den Grund gehen und öffenten 1972 das Grab des Nepomuk
erneut. Diesmal wurde im Gegensatz zum 18. Jahrhundert rein
wissenschaftlich vorgegangen und die angebliche Zunge als
Teile der Grosshirnrinde identifiziert. Doch die Prager
sahen darin ein weiteres Wunder und eine neue Legende machte
die Runde: Die Reliquie weise stets darauf hin, was sich
gerade in höchster Gefahr befinde. Während im 18.
Jahrhundert die böhmische Zunge sprich Sprache bedroht
gewesen sei, gehe es unter den Kommunisten darum, nicht den
Verstand zu verlieren.
Und damit sind wir am Ende unseres heutigen
Geschichtskapitels. Frohe Ostertage wünschen Ihnen Katrin
Bock und Franz-Josef Balkhausen.
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