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Programm zum Heiligen Abend
Willkommen, verehrte Hörerinnen und Hörer, zum Weihnachtsprogramm von Radio Prag. Anstelle der üblichen Nachrichten beginnen wir unsere Sendung mit weihnachtlichen Gedanken von Svatopluk Karasek, einem evangelischen Pfarrer. Im Anschluss daran laden Sie Franz-Josef Balkhausen, Katrin Bock und Danilo Höpfner ein zu einem typischen Weihnachtsfest, wie es die Roma hierzulande früher feierten und z. T. noch heute feiern.
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Lassen Sie sich nun,, nach diesen weihnachtlichen Gedanken von Svatopluk Karasek zu einem Weihnachtsfest bei den Roma einladen!
Tschechische Roma feiern Weihnachten
Karacona - so nennen die in Tschechien lebenden Roma Weihnachten. Wie die meisten in Europa lebenden Roma haben auch die tschechischen den christlichen Glauben angenommen. Einige der biblischen Geschichten interpretierten sie im Laufe der Jahrhunderte auf ihre Weise, so dass diese dann Bestandteil ihrer Erzählungen und Märchenwelt wurden, wie zum Beispiel die Geschichte über die Erschaffung des Menschen:
"Nachdem Gott die Welt erschaffen hatte, beschloss er auch den Menschen zu erschaffen. Zu diesem Zweck formte er aus Teig einen Menschen und schob ihn in den Backofen. Doch Gott verrechnete sich mit der Zeit, und als er den Menschen aus dem Ofen holte, war dieser ganz schwarz und angebrannt. Und Gott sagte sich: "Na, das macht ja nichts. Der schwarze Mensch wird da wohnen, wo es heiss ist und die Sonne scheint." Und Gott formte einen zweiten Menschen aus Teig und sagte, dass er diesmal vorsichtig sein wird. Doch Gott war zu vorsichtig, und als er den Menschen diesmal aus dem Ofen holte, war dieser noch unfertig und ganz weiss. Und Gott sagte sich: "Na, das macht ja nichts. Dieser weiße Mensch wird da wohnen, wo es kalt ist und die Sonne nicht dauernd scheint." Und Gott formte zum dritten Mal einen Menschen und dachte sich, dass es diesmal aber klappen muss. Und in der Tat: Als Gott den dritten Menschen aus dem Ofen holte, war dieser perfekt: braun gebrannt, so wie es sein sollte. Und Gott sagte sich: "Dieser braune Mensch ist perfekt, der kann überall auf der Erde wohnen." Und so kam es, dass die Roma überall auf der Welt anzutreffen sind."
Die heute in Tschechien lebenden Roma stammen zum größten Teil aus der Slowakei. Hier entstanden auch ihre typischen Weihnachtsbräuche, von denen sich einige bis in die heutige, konsumorientierte Zeit erhalten haben. Auch wenn die Roma inzwischen Bräuche der typisch tschechischen Weihnachten übernommen haben und einige ihrer Traditionen in Vergessenheit gerieten, so unterscheiden sich die Roma-Weihnachten doch auch noch heute von denen der Tschechen.
Anna Zigova, die sich seit langem mit Bräuchen und Traditionen der Roma befasst, erzählt über die wohl lebendigsten und schönsten Bräuche folgendes:
"Es gibt zwei Dinge, durch die sich die Roma-Weihnachten von den tschechischen unterscheiden. Das eine ist das gegenseitge Vergeben. Die Roma sagen, dass sich spätestens bis zum St. Sephanstag Familien und Freunde alles vergeben müssen, was sie sich in dem Jahr Schlechtes angetan haben. Das ist ein sehr gefühlvoller Grundsatz, der stets eingehalten wird.
Der zweite, für Tschechen ungewöhnliche Brauch ist die Erinnerung an die Toten in der Familie. Dies passiert nicht nur durch das Erzählen von Erinnerungen an diese, sondern ist so ein Ritual. Vor dem Abendessen am Heiligen Abend wird ein spezielles Essen vorbereitet, die sogenannten Bobalky. Das ist etwas ähnliches wie Gnocci, die mit Zucker besträubt werden. Dieses spezielle Essen für die Toten wird auf einen Teller gelegt, der auf das Fensterbrett gestellt wird. Das ist so eine greifbare Erinnerung und Opfer für die Toten in der Familie.
Natürlich sind die Kinder am neugierigsten, was wohl mit dem Essen auf dem Fensterbrett passsiert. Und wenn irgendein Vogel die Bobalky angeknabbert oder mitgenommmen hat, so ist das ein Beweis dafür, dass die Toten ihr Essen geholt haben."
Sollten Sie auch einmal Bobalkys probieren oder aber den Brauch der Roma feiern wollen, verrät Bartolonej Ziga das Rezept:
"Wie man Bobalki macht? Nun die macht man so: Man nehme Mehl, Hefe, Zucker und etwas Salz und forme daraus einen Teig. Diesen lässt man gehen und formt dann daraus kleine Kugeln. Diese legt man auf ein eingefettetes Blech und backt sie goldbraun. Die Kugeln werden in eine Schüssel gelegt und mit heißem Wasser übergossen, sodass sie weicher werden, und anschliessend mit Butter, Zucker und Milch abgeschmeckt."
Eine andere Variante der Bobalky beinhaltet auch Kartoffeln. Aus den gekochten und geriebenen Kartoffeln wird mit Mehl, Wasser und Salz ein Teig geformt. Dieser wird zu Kegeln geformt, die in kochendes Wasser geworfen werden. Wenn sie oben schwimmen, sind sie fertig.
An die Vorbereitung der Bobalky ist eine weitere Tradition geknüpft:
"Wenn die Mutter die Bobalky vorbereitet, dann passen die Kinder auf, wann sie unauffällig und unbeobachtet ein Stückchen von dem Teig stibitzen können. Wenn niemand etwas bemerkt, so sagt man, so werden die Kinder im nächsten Jahr so geschickte Finger haben, wieviel Teig sie stibitzen konnten."
Bevor die Roma von der sozialistischen Regierung nach Böhmen und Mähren umgesiedelt wurden, lebten sie in ihren slowakischen Dörfen, wo die Familien die alten Weihnachtstraditionen pflegten. Schauen wir einmal, wie so ein Weihnachtsfest aussah. Die Vorbereitungen für dieses begannen zumeist bereits im Sommer, denn die meisten Roma-Familien waren arm, und so begann man rechtzeitig für das grosse Fest zu sparen. Rückte Weihnachten dann immer näher, begann der grosse Weihnachtsputz:
"Angefangen hat es mit dem Advent, auch wenn die Roma dieses Wort nicht benutzen, und zwar mit dem grossen Putz. Wirklich wurde regelmässig vor Weihnachten das Haus neu ausgemalt. Jede Roma-Frau konnte dies und sorgfältig weisste sie ihr Haus. Das waren meistens kleine Hütten mit nur einem Zimmer und Lehmboden. Das Ausmalen war die Aufgabe der Mutter und Töchter. Die Söhne sammelten Holz, damit genügend zum Kochen und Heizen da war. Dann ging man zum Bauern und holte frisches Stroh - slama. Dieses sträute man auf den sauberen Boden. In manchen Familien nur symbolisch unter den Tisch, in anderen streute man es überall auf den Boden, trug den Tisch heraus und aß auf dem Boden, um daran zu erinnern, wo Jesus zur Welt gekommen ist. Das Stroh hatte nicht nur diese Bedeutung, sondern brachte auch Glück. Nach dem Essen an Heiligabend wurden die Löffel mit Stroh zusammengebunden - damit die Familie auch im nächsten Jahr zusammenbleiben werde. Noch ein weiterer Brauch hängt mit dem Stroh zusammen: Nach den Weihnachtsfeiertagen trugen noch unverheiratete Mädchen das Stroh aus dem Haus auf einen Hügel. Aus der Richtung, in die der Wind das Stroh blies, sollte der zukünftige Bräutigam kommen."
An den Brauch des Strohstreuens erinnert sich auch Milan Cina, der seit 34 Jahren in Prag lebt. Seine Kindheit verbrachte Milan Cina in einem slowakischen Dorf, in dem die alten Weihnachtsbräuche der Roma noch lebendig waren.
"Ich erinnere mich noch, als ich ein kleiner Junge war, musste der ganze Fußboden im Zimmer an Heiligabend mit Stroh ausgelegt werden. Ich glaube, dieses Strohauslegen ist noch so eine alte Sitte aus der Ukraine und soll an die bescheidenen Verhältnisse im Stall zu Bethlehem erinnern. Natürlich war an Heiligabend die ganze Familie beisammen. Meine Mutter bereitete das Essen zu. Es gab Krauttaschen oder Skubanky - so eine Art Kartoffelnockerln - oder Pflaumenauflauf und dazu auch saure Speisen. Mein Vater kam dann ins Zimmer, lud uns auf das Stroh und wünschte uns viel Glück und Gesundheit unser ganzes Leben lang. Außerdem gelobten sich alle Familienangehörigen, auch in Zukunft stets am Weihnachtsfest zusammenzukommen. Dann - nach dem Essen - versammelten wir uns in einer Ecke des Zimmers, wo dann die Beschereung vor dem Weihnachtsbaum stattfand. Jeder von uns Kindern erhielt sein Weihnachstgeschenk aus der Hand unseres Vaters. Die Bescherung fiel meist eher becheiden aus, es gab nicht diese Berge von Geschenken, wie dies heute oft der Fall ist. Früher war das alles eine Nummer kleiner. Wir bekamen, ein neues Paar Schuhe, eine neue Hose, ein Hemd oder auch einen Teddybär. Es war also - wie gesagt - nicht viel, aber wir Kinder haben uns trotzdem immer tierisch über die Geschenke gefreut."
Waren alle Vorbereitungen abgeschlossen, begann das Warten auf Essen am Heiligen Abend. Die Geschenke fielen zumeist, wie bereits Milan Cina erwähnte, mager aus.
"Natürlich wurde den ganzen Tag nichts gegessen, vor allem aber kein Fleisch. Den Kindern wurde gedroht, wenn sie vor dem Abend etwas essen, dann kommt die Luca, und vor der hatten sie Angst. Erst während des Abendessens, oftmals aber auch erst am 25. Dezember, durfte Fleisch gegessen werden. Das Essen war zumeist einfach, wie auf dem Lande üblich, neben den erwähnten Bobalky gab es Bohnen oder Sauerkraut. Stets wurde auch an die Toten erinnert, nicht nur an die in diesem Jahr gestorbenen Familienangehörige, sondern auch an andere Generationen. Auf den Tisch wurden entsprechend mehr Teller gedeckt. Bevor man mit dem Essen begann, so erinnerte der Älteste, in der Regel der Vater oder Grossvater, an die Toten, das war so etwas wie ein kleines Gebet. Und dann segneten sie die Anwesenden. Oftmals nahmen sie dazu Honig und mit diesem formten sie ein Kreuz auf der Stirn von jedem. Das bedeutete, dass man auch im nächsten Jahr so süss und gut wie Honig zueinander sein sollte."
Weit verbreitet war es in den slowaksichen Roma-Siedlungen auch, zum Heiligabend-Essen Bettler einzuladen. Dazu Bartolomej Ziga:
"Das war in jedem Dorf anders. In manchen gingen die Roma zur Kirche, weil vor dieser normalerweise die Bettler waren, und luden einen von ihnen zu sich nach Hause ein. In unserem Dorf war das anderes. Wir haben es begrüßt, wenn es am Heiligen Abend unerwartet an der Tür klopfte und ein echter Landstreicher oder Bettler vor der Tür stand. Der wurde sofort eingeladen. Sein Platz war gleich neben dem Ofen und die Mutter brachte ihm von dem, was auch wir aßen. Nach dem Essen, so gegen neun Uhr, gingen die Kinder im Dorf herum und fragten, bei welcher Familie ein Bettler oder Landstreicher zu Gast sei. Und dort versammelten sich dann viele und fragten den Gast aus. Und dieser erzählte Neuigkeiten aus den Dörfern, durch die er gekommen ist. Später dann, gegen 23 Uhr, begannen alle den Gast zu bitten, eine Geschichte zu erzählen, denn das konnten sie wirklich gut. Und so begann der Landstreicher mit einem Märchen, und die waren stets sehr lang, manchmal erzählte er bis 2, 3 Uhr morgens. Wir Kinder fielen naürlich um vor Müdigkeit und verschliefen das Ende. Am Morgen fragten wir dann, wie es denn ausgegangen sei, und versuchten, den Gast zu überreden, das Märchen noch einmal für uns zu erzählen."
"Nach dem Abendessen ging man ins Dorf, zu Verwandten und Nachbarn zum sogenannten Vynsovani - dem Weihnachtswünschen. Meistens war es dann schon nach Mitternacht. Das Vynsovani war sehr poetisch. Meistens waren es so vergleiche wie, seien wir zueinander so wie das schwarze Brot zur schwarzen Erde ist oder so ähnlich. So poetisch und gleichzeitig war es verbunden mit dem gegenseitigen Vergeben und dem Bemühen, sich mit jedem wieder gut zu stellen. Vergeben und um Vergebung bitten - und alle hatten ein offenes Herz an diesem Tag. Alle waren offen zueinander, und mit viel Geweine und Emotionen wurde alles vergeben und vergessen. Das war die Tradition, dass man bis zum Sankt-Stephanus-Tag alles vergeben musste."
Vergebung und Versöhnung sind für die Roma von beinahe existentieller Bedeutung. Denn zumindest früher, als die Roma eine isolierte Gruppe darstellten, mussten sie unter sich sehr solidarisch sein. Sie waren abhängig von der Roma-Gemeinschaft, in der sie jeweils lebten. In Unfrieden mit den eigenen Leuten zu leben, wäre demnach auf lange Sicht untragbar gewesen. Die Roma nutzten das Weihnachstfest daher, die zwischenmenschlichen Beziehungen in ihrer Gemeinschaft oder innerhalb der Familie noch mehr zu festigen. Denn schon in alten Zeiten hieß die Devise: Wenn wir Roma zusammenhalten, können uns weder Hunger noch Armut noch andere Unbilden des Lebens etwas anhaben. Beschwört wir dieses Zusammenhalten der Roma-Gemeinschaft durch Sprüche wie diesen:
"Roma vergeben einander
Roma bitten sich gegenseitig um Vergebung.
Roma, wie groß der Unfrieden auch untereinander gewesen sein mag, vergeben einander an Weihnachten und vertragen sich wieder.
Wie könnten wir überhaupt leben, wenn wir wir einander nicht vergeben könnten."
Auch Milan Cina erinnert sich, dass die Männer gemeinsam mit ihren Söhnen an Heiligabend zu fortgeschrittener Stunde noch einmal aus dem Haus gingen:
"Nach der Bescherung gingen die Männer so gegen 8, 9 oder 10 Uhr noch einmal aus dem Haus - genauer gesagt: Sie besuchten sich alle gegenseitig. In unserem Dorf lebten ungefähr 40 Familien, oder besser gesagt - unser Dorf bestand aus ungefähr 40 Häusern. Am Abend zogen die Leute also buchstäblich - wie man so schön sagt - um die Häuser. An jedem Haus wurde angeklopft. Jeder wünschte jedem Frohe Weihnachten, und dabei wurde dann natürlich das eine oder andere Gläschen getrunken. Das ganze Dorf hat sich so also gegenseitig besucht und Weihnachtsgrüße ausgetauscht. Das Singen der Weihnachstlieder war damals viel schöner als heute. Denn die Musikanten standen jeweils unter dem Fenster, wenn sie ihr Weihnachtsständchen brachten.
Und am letzten Haus versammelten sich dann alle Männer des Dorfes und blieben dort bis zum Morgengrauen. Es war aber keineswegs so, dass die Leute alle besinnungslos betrunken waren, denn die vertrugen eine ganze Menge. Man trank, aß ein paar Happen dazu und lauschte den Musikanten auf ihren Akkordeons und Fidelkästen."
Zum traditionellen Weihnachtsfest gehört für die gläubigen Christen der Gang zur feierlichen Messe natürlich dazu, dieses gilt auch für viele Roma.
"Sicher sind die Leute an Weihnachten auch in die Kirche gegangen.Allerdings nicht in der Weihnachtsnacht selbst, sondern erst am ersten Weihnachtstag. Die Roma damals auf dem Land waren zumeist sehr religiös. So hielten viele von ihnen damals noch den Brauch ein, an Heiligabend vom Frühstück bis zum Abend auf fette Speisen zu verzichten. Manche Roma in der Slowakei machen das übrigens noch bis heute so."
"Wenn sich Mitternacht näherte, so steckte man in eine Buchtel oder ein Brotende eine Kerze und legte diese in einen Eimer. Mit dem gingen die Jungen zum Bach oder zum Brunnen. Denn man sagte, dass das Mitternachtswasser die Kraft hat, dass der Mensch gesund bleibe. Wenn man in dieses Wasser noch Geld werfe, so werde man im kommenden Jahr reich. Die Jungen trugen also in dem Eimer das Mitternachtswasser nach Hause und mit diesem wuschen sich dann alle und glaubten, dass sie im kommeden Jahr gesund und reich sein werden."
Vieles hat sich in den letzten Jahren verändert. Viele Roma sind umgezogen und leben nicht mehr in ihren Dorfsiedlungen in der Slowakei. Auch das Verhältnis zwischen Roma und Nicht-Roma hat sich in den letzten Jahren verändert, wie Frau Zigova zu berichten weiss:
"In der Slowakei war noch so etwas Interessantes. Im Unterschied zu heute glaubten früher die Bauern, dass die Roma ihnen auch Glück bringen. Und so wünschten sie sich ausdrücklich, dass sie auch zu ihnen zum erwähnten Vynsovani kämen. Sie bestellten sich direkt die Roma, die während des Jahres auf ihren Höfen und Feldern bei der Arbeit halfen , und baten sie, sie bei den Weihnachtswünschen nicht zu vergessen. Denn sie glaubten, dass das Glück bringt. Das Vynsovani war eine Angelegenheit der Männer und Jungen - denn die, so glaubte man allgemein, bringen von sich aus Glück. Mädchen und Frauen durften nicht von Haus zu Haus ziehen und Glück wünschen, sie hatten das Essen vorzubereiten und aufzuräumen. In einigen Gegenden gab es auch sog. Jaslikari. Das waren Männer, die auf so kleinen Tragen Krippen trugen und mit diesen von Haus zu Haus zogen und Weihnachtslieder sangen. Das waren fast überall nur Roma."
Mit Roma verbindet man zumeist auch Musik, ihre Lieder und Musikalität sind bekannt. Erstaunlich ist, dass es kaum typische Roma-Weihnachtslieder gibt. Zu allen Anlässen singen die Roma ihre Lieder, nur zu Weihnachten singen sie hierzulande die tschechischen bzw. slowakischen Weihnachtslieder. Nur einige Lieder haben einen Text in ihrer Sprache. Dies hängt damit zusammen, dass die Roma die Weihnachtslieder zumeist für die Bauern sangen, für die Gadzo - die Nicht-Roma also - und dieses dann auch in deren Sprache.
Wie sieht das Weihnachtsfest der Roma heute aus? Zum Heiligen Abend speisen die meisten von ihnen Kartoffelsalat und Schnitzel, die bei den Tschechen beliebten Karpfen sind nur selten auf dem Tisch von Roma-Familien zu sehen. Und sonst? Hören wir noch einmal Milan Cina:
"Wir Stadt-Roma haben die ganzen Sitten von damals eigentlich schon alle vergessen. Was z.B. das Essen angeht, so besteht unser heutiger Speisezettel an Heiligabend fast ausschließlich aus Fleischgerichten. Was noch genauso ist wie früher, ist das, dass auch heute an Heiligabend noch alle Familienangehörigen zusammenkommen. Es wird zwar kein Stroh mehr ausgestreut, aber wir machen es uns gemütlich und lassen es uns gut gehen. Die gegenseitigen Besuche beschränken sich heute natürlich nur noch auf die unmittelbaren Familienangehörigen. Ich besuche die Familie meines Bruders, und die wiederum besucht uns. Ansonsten gilt: Die Roma in Prag und anderen Städten feiern das Weihnachtsfest wie alle anderen Tschechen auch. Das Schlimme ist, dass unsere Kinder die Roma-Sprache zwar teilweise noch verstehen, sie selbst aber nicht mehr sprechen können. "
Zum Abschluss unserer Weihnachtsendung wünschen wir Ihnen so Weihnachten, wie es unter Roma Brauch war und z.T. immer noch ist.
Zum Weihnachtsfest wünsche ich euch und euren Kindern, Dass ihr alle gesund bleibt und dass das Leben euch allen noch viele glückliche Stunden bringen wird.
Wenn ihr was zu trinken und etwas Brot gebt, dann danke ich euch dafür ganz herzlich und wünsche euch allen noch einmal Glück und Gesundheit - Gaben, die der Herr uns geschenkt hat.
Und damit wünschen wir allen Hörern von Radio Prag ein Frohes Weihnachtsfest!
Frohe Weihnachten!
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