„Für ein gesundes Tschechien“ – Lauf-Veranstalter appellieren an Regierung

05-05-2020

Seit der Frühling auch nach Tschechien gekommen ist, sieht man viele Läufer wieder trainieren. Allerdings wurden wegen des Coronavirus alle Großveranstaltungen abgesagt oder verschoben.

Illustrationsfoto: tookapic, Pixabay / CC0Illustrationsfoto: tookapic, Pixabay / CC0

„Für ein gesundes Tschechien“„Für ein gesundes Tschechien“ Die Ausrichter von Volksläufen machen sich Sorgen. Sie haben einen Aufruf gestartet mit dem Titel „Für ein gesundes Tschechien“. Darin schreiben sie, dass jedes Jahr bis zu 1,2 Millionen Menschen aktiv an Sportveranstaltungen hierzulande teilnehmen würden. Man stehe jetzt zum Teil vor dem Aus, dabei nehme man eine wichtige Funktion wahr. In dem Aufruf an Premier Andrej Babiš (Partei Ano) und seine Minister heißt es unter anderem:

„Wir bitten Sie, uns die Ausrichtung von Lauf-Veranstaltungen im Freien zu ermöglichen. Diese haben eindeutig eine positive Wirkung auf die Gesundheit der Gesellschaft, und sie sind für das ganze Jahr ein Ansporn, sich zu bewegen.“

Miloš Škorpil (Foto: Adam Kebrt, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Miloš Škorpil (Foto: Adam Kebrt, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Miloš Škorpil richtet in der Gegend von Cheb / Eger regelmäßig eine kleinere Veranstaltung aus. Der Ultramarathonläufer kann nicht ganz verstehen, warum auch für ihn die Grenze von 100 Teilnehmern bei Sportveranstaltungen (ab 11. Mai) gelten soll:

„Falls das so bleiben sollte, würde ich bei mehr als 100 Teilnehmern diese in Wellen nacheinander starten lassen. Während des Laufs verteilt sich das ja eh. Wichtig ist, dass man am Start nicht zusammenkommt.“

In einer anderen Kategorie bewegen sich die großen Volksläufe. Am Prager Marathon zum Beispiel nehmen regelmäßig bis zu 12.000 Begeisterte teil. Er sollte eigentlich am kommenden Wochenende starten. Dass dies nicht möglich ist, damit haben sich die Ausrichter mittlerweile abgefunden.

Roman Prymula (Foto: Archiv des Regierungsamtes der Tschechischen Republik)Roman Prymula (Foto: Archiv des Regierungsamtes der Tschechischen Republik) „Wir haben die Läufe vorerst auf Termine im Herbst verschoben. Aber natürlich verfolgen auch wir, wie sich die Lage entwickelt, und versuchen darauf zu reagieren. Dabei wissen wir nicht, in welche Richtung wir uns Gedanken machen sollen“, so Václav Skřivánek, Leiter der Serie „Run Czech“, zu der auch die Marathonveranstaltungen in Prag gehören.

Doch der Epidemiologe und Staatssekretär im Gesundheitsministerium Roman Prymula sieht selbst für kleinere Laufveranstaltungen im Sommer bisher wenig Hoffnung:

„Wir werden sehen, wie es weitergeht. Es kann natürlich sein, dass das Virus zum Sommer hin verschwindet. Dann ließe sich einiges riskieren. Selbst glaube ich aber nicht daran. Unter den gegebenen Umständen kann ich mir Massenveranstaltungen im Sommer nicht vorstellen.“

„Lauf durch den Wald“„Lauf durch den Wald“ „Běhej lesy“, also „Lauf durch den Wald“, heißt eine etwas kleinere Laufserie mit ein- bis zweitausend Teilnehmern. Die Strecken sind zwischen 10 und 50 Kilometer lang. Vier Veranstaltungen in diesem Jahr fielen schon dem Coronavirus zum Opfer, weitere fünf sind für den Sommer geplant. Jan Hejda leitet die Serie:

„Wir glauben fest daran, dass wir unter verschärften organisatorischen und hygienischen Maßnahmen unsere Läufe für die breite Öffentlichkeit ausrichten können. Auch deswegen haben wir uns dem Aufruf ‚Für ein gesundes Tschechien‘ angeschlossen. Wir wollen erreichen, dass solche Sportveranstaltungen möglichst bald wieder stattfinden können.“

Foto: 272447, Pixabay / CC0Foto: 272447, Pixabay / CC0 Hinter dem Aufruf steht der Sportvermarkter Marek Tesař. Am Dienstag möchte er den Epidemiologen erläutern, welche Maßnahmen das Infektionsrisiko bei größeren Sportveranstaltungen zum Mitmachen verringern könnten.

„Ich denke da zum Beispiel an eine entsprechende Streckenwahl, regelmäßige Desinfektionen und die Streichung von Siegerehrungen. Manche kleinere Veranstalter wollen auch in Wellen starten lassen. Wir sind der Meinung, dass solche Sportereignisse in der derzeitigen Lage – etwas übertrieben gesagt – eher verschrieben anstatt untersagt werden sollten. Schließlich nehmen an ihnen Leute teil, die motiviert sind, an ihrer Gesundheit und Kondition zu arbeiten“, findet Tesař.

Selbst hinter Amateursportveranstaltungen stehen professionelle Ausrichter. Laut den Unterzeichnern des Aufrufs geht es dabei um bis zu eine Milliarde Kronen (37 Millionen Euro) und die Beschäftigung von mehreren Tausend Menschen.

05-05-2020