Fasten-Intervention in Prager Salvatorkirche

04-03-2020

Die katholische Salvatorkirche in Prag steht direkt am Zugang zur Karlsbrücke. Sie wurde für das ehemalige Jesuitenkolleg Klementinum gebaut und gilt als eines der wertvollsten Kulturdenkmäler des Frühbarocks in der tschechischen Hauptstadt. Nach der Wende von 1989 entstand in der Salvatorkirche dank dem Religionsphilosophen und Priester Tomáš Halík die erste akademische Pfarrei hierzulande entstanden. Und die Fastenzeit wird in der Pfarrei in der Regel mit einer Intervention eröffnet, bei der sich Künstler mit dem Barockraum der Kirche auseinandersetzen. Diesmal wird in der Kirche ein spezielles Kunstwerk gezeigt: ein zwei Tonnen schweres Pendel. Es stammt vom Architekt Josef Pleskot. Die zugehörige Ausstallung hat Norbert Schmidt kuratiert. Martina Schneibergová hat nach der Vernissage am Aschermittwoch mit dem Kurator gesprochen.

Pendel in der Salvatorkirche (Foto: Martina Schneibergová)Pendel in der Salvatorkirche (Foto: Martina Schneibergová)

Josef Pleskot und Norbert Schmidt (Foto: Martina Schneibergová)Josef Pleskot und Norbert Schmidt (Foto: Martina Schneibergová) Herr Schmidt, in der Salvatorkirche wurde diesmal ein riesengroßes Pendel von Architekt Pleskot installiert. Ist das eigentlich ein Kunstwerk?

„Wir werden sehen, ob die Leute sagen, dass es ein Kunstwerk ist oder nicht. Es ist bestimmt das Technischste, was wir hier als Intervention hatten. Es hat auch etwas Mechanisches und Physikalisches in sich und erinnert daran, worum sich die Gelehrten aus den Jesuitenreihen hier vor Jahrhunderten bemüht haben. Sie haben die Gravitation untersucht, Globen gebaut und verschiedene mechanische Spielzeuge konstruiert wie beispielsweise eine mechanische Schildkröte. Sie erforschten das Vakuum und sogar die Elektrizität. Man kann das Pendel in diesem Kontext auch als eine Hommage an die hiesigen Jesuiten sehen. Aber natürlich ist es ein Kunstwerk oder ein Eingriff, der absichtlich auf den ersten Blick nicht künstlerisch wirkt. Ich würde sagen, auf den zweiten Blick entdeckt man die Dimension von vielen Assoziationen, Bildern, Ideen, die die Besucher der Kirche bestimmt haben werden. Spezifisch ist daran, dass Josef Pleskot das Pendel ganz konkret mit der Liturgie verbunden hat. Er wollte, dass das Pendel beim Beginn der Rezitation des Credo (Glaubensbekenntnis, Anm.d.Red.) in Bewegung gesetzt wird.“

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová Wie lange bewegt sich dann das Pendel?

„Das dauert nur etwa zweieinhalb Minuten.“

Wie bringt man das Pendel in Bewegung?

„Das Pendel bringt man durch die Kraft eines Menschen in die Bewegung. Die Intervention hat damit auch eine performative Seite. Ein Ministrant kommt mit einer langen Stange und stößt das Pendel an.“

Denken Sie nicht, dass das Pendel aus der Ferne auch an ein Kreuz erinnert?

„Bestimmt, aber ein labiles Kreuz. Josef Pleskot hat sich viel mit dem Kreuz befasst – unter anderem bei der Gestaltung der Räume im Prager Dominikanerkloster, bei seiner Arbeit in Litomyšl und anderen Orten. Das Werk kann man auch als ein Kreuz bezeichnen, dessen Mitte nicht fest ist. Es ist ein räumliches Kreuz, das man aus verschiedenen Blickwinkeln anders sehen kann: entweder als die Konstruktion aus Metall mit dem Holz oder nur als die Holzkonstruktion in der Form des Buchstaben ,T‘, die sich bewegt.“

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová Es war wohl nicht so einfach, das Pendel hier zu installieren…

„Das war bisher das Schwierigste, was wir hier bisher in der Fastenzeit gezeigt haben: zwei Tonnen Metall und Holz in 20 Meter Höhe. Die Stäbe sind etwa zehn bis zwölf Meter lang. Die Kirche ist über zehn Meter breit. Diejenigen, die das Pendel installiert haben, haben eine bewundernswerte Arbeit geleistet.“

Wird das Pendel nach der Fastenzeit vielleicht noch an einem anderen Ort zu sehen sein?

„Hier wird es nur in der Fastenzeit hängen, es wurde auch für die Salvatorkirche entworfen. Allerdings besteht die Idee, das Pendel danach im ehemaligen Hüttenareal in Dolní Vítkovice in Ostrava zu platzieren. Dort gibt es das Milan-Dobeš-Museum von Kunstwerken, die dynamisch sind. Wenn das klappt, kommt das Pendel unter den Bolt Tower. Es würde ganz anders wirken als hier in der Kirche. Wenn das klappt, würde mich das freuen.“

 

Das Pendel von Josef Pleskot noch die ganze Fastenzeit über ist in der Salvatorkirche zu sehen. Eine Besichtigung außerhalb des regelmäßigen Kirchenprogramms kann mit der Pfarrei vereinbart werden. Die Kontaktmailadresse lautet: info@farnostsalvator.cz.

04-03-2020