Kunst zu Corona-Zeiten: Warten auf die Vernissage

28-03-2020

Wegen der Corona-Pandemie sind in Tschechien seit mehr als zwei Wochen nicht nur alle Theater und Kinos, sondern auch die Galerien geschlossen. Hinter den verriegelten Türen verbergen sich manchmal auch Ausstellungen, die erst auf ihre Vernissage warten. Dies gilt zum Beispiel für die Schau aus dem Werk von Marek Dobeš und Karel Aubrecht in Prag. Martina Schneibergová hat mit den beiden Künstlern während der Vorbereitungen auf die Vernissage gesprochen, diese wird erst in der Zukunft irgendwann stattfinden.

Marek Dobeš und Karel Aubrecht (Foto: Martina Schneibergová)Marek Dobeš und Karel Aubrecht (Foto: Martina Schneibergová)

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová Gemälde, Graphiken, Serigraphien, Collagen, Keramik und kleine Skulpturen – all das wäre eigentlich im Foyer des Theaters im Prager Stadtteil Horní Počernice zu sehen. Die beiden Künstler Marek Dobeš und Karel Aubrecht haben lang an der Gestaltung ihrer neuen Ausstellung gearbeitet. Doch genau an dem Tag, an dem sie feierlich eröffnet werden sollte, wurden alle Galerien wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Dobeš und Aubrecht hoffen, die Schau mit dem Titel „Schnittmengen“ in nicht weit entfernter Zukunft doch noch der Öffentlichkeit zeigen zu können.

Karel Aubrecht ist Maler, Graphiker und Designer. Er entwirft Plakate und gestaltet Bücher. Zu seinen Lieblingstechniken gehören Serigraphie und Linolschnitt. Der 64-jährige Künstler macht auf seine neuesten Arbeiten in der Ausstellung aufmerksam:

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová „Das sind ,Der Meister und Margarita‘, ,Der Fährmann‘ und das Gemälde ,Der himmelschreiende Ungehorsam‘. Aber diesen Ungehorsam muss jeder selbst auf dem Bild finden, er ist nur an einer einzigen Stelle zu sehen. Zu Bulgakows Roman ,Meister und Margarita‘ habe ich vor einigen Jahren das CD-Cover für ein Hörbuch entworfen. Deswegen habe ich eine Serigraphie zum selben Thema angefertigt.“

Eingeborene und Visionäre

Nicht nur von der Literatur, sondern auch von der Musik hat sich Karel Aubrecht inspirieren lassen. Eine Collage entstand beispielsweise aus Kopien von alten Chansons, eine andere heißt „Der Fingersatz“. Ein völlig anderes Thema liegt Aubrechts Bilderserie „Der Eingeborene 1 bis 3“ zugrunde…

„Eigentlich weiß ich nicht, wie ich dazu gekommen bin. Entstanden sind die Bilder aus einer winzigen Zeichnung. Das Thema der ‚Eingeborenen‘ hat mich irgendwie angesprochen. Jeder fragt danach, wer wohin gehört. Aber wir sind doch alle irgendwo Eingeborene.“

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová Seit etwa fünf Jahren stellt Karel Aubrecht mit Marek Dobeš gemeinsame Ausstellungen zusammen:

„Wir haben uns im Theater kennengelernt. Während des Gesprächs erfuhr ich, dass er Keramik macht. Ich habe mich schon früher an vielen Ausstellungen angewandter Kunst beteiligt. Damals plante ich aber meine erste Ausstellung in einer kleinen Galerie. Mir gefällt, wenn bei einer Schau nicht nur Bilder an den Wänden hängen, sondern auch etwas im Raum steht. Deswegen haben ich Marek angesprochen, und er brachte mir einige seiner Werke. Seitdem gestalten wir gemeinsame Ausstellungen, weil uns das Spaß macht.“

Im Prager Stadtteil Horní Počernice ist auch ein gemeinsames Werk der beiden Künstler zu sehen. Karel Aubrecht dazu:

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová „Die Graphik ist für eine Schau mit dem Titel ,Eingeborene, Visionäre und Engel‘ entstanden, die im ostböhmischen Náchod gezeigt wurde. Es ist ein vierfarbiger Siebdruck. Wir haben abwechselnd daran gearbeitet, wobei der eine nicht wusste, was der andere macht. Aber das Resultat hat uns angenehm überrascht.“

Tassen mit Füßen

Marek Dobeš ist Bildhauer und Pädagoge. In der neuesten Ausstellung sind vor allem seine Keramikgefäße verschiedener Art und Form zu sehen. Gezeigt werden aber auch zwei kleine Plastiken – eine ist eine sitzende Frau und die andere ein sitzender Mann. Diese habe er für einen Freund kreiert, verrät der 49-jährige Prager:

„Er hat sich ein Haus in Valtice bauen lassen, und am Eingang stehen zwei Säulen. Das brachte ihn auf die Idee, dass er dort Figuren von Hausbeschützern haben möchte. Daher habe ich die beiden Plastiken geschaffen. Sie stellen meinen Freund und seine Frau dar, natürlich ein wenig stilisiert. Die Skulpturen heißen die ,Hausbeschützer von Petr Z.‘. Aber die Architekten, die das Haus gestaltet haben, fanden die Figuren zu realistisch. Daher wurden sie nicht am Hauseingang installiert. Sie sind zu Exponaten geworden.“

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová In der Ausstellung sind zudem mehrere farbige Keramik-Gefäße zu sehen, einige erinnern an große Tassen, die jedoch auf kleinen Füßen stehen. Marek Dobeš:

„Ich habe eine Zeit lang an der Töpferscheibe gearbeitet. Aber die Tassen, die dabei entstanden, kamen wir etwas langweilig vor. Früher habe ich bereits Schüsseln getöpfert, die auch auf Füßen standen. Mir gefällt die Unruhe, die diese Exponate ausstrahlen. Sie wirken instabil, aber man kann sie als Teetassen nutzen. Sie kippen nicht um.“

Genauso stabil sind auch die Keramikschüsseln, die gezeigt werden. Sie sind ebenfalls nicht nur Kunstwerke, sondern können benutzt werden. Dobeš macht auf ein spezielles Exponat aufmerksam, das auf den ersten Blick an den Außerirdischen E.T. erinnert.

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová „Es ist ein Kopf, den wir ,Yoricks Urschädel‘ genannt haben. Ursprünglich wollte ich wieder ein Gefäß modellieren, aber dann entwickelte sich dieser Schädel daraus. Ich habe dabei auch mit Asche gearbeitet und gezielt grüne Farbe benutzt. Es gibt Menschen, die davor Angst haben.“

Die Ausstellung mit dem Titel „Průniky“ (zu Deutsch etwa „Schnittmengen“) ist im Foyer des Theaters im Prager Stadtteil Horní Počernice installiert. Sie kann wie viele weitere wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht besucht. Die beiden Künstler hoffen jedoch, ihre Ausstellung bald der Öffentlichkeit zeigen zu können. Wenn man am Theatergebäude vorbeigeht, kann man durch die Glaswand einen Blick ins Foyer werfen und einige der Exponate wenigstens aus der Ferne bewundern.

28-03-2020