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Ehemalige KPTsch-Funktionäre heute Zehn Jahre nach dem Sturz des kommunistischen Regimes wird sich so mancher fragen, was denn die ehmaligen KPTsch-Funktionäre eigentlich heute so machen. Franz-Josef Balkhausen berichtet. Mehr als eine Million Mitglieder zählte die Kommunistische Partei im Herbst 1989. Zehn Jahre später ist ihre Mitgliederzahl auf ein Zehntel zusammengeschrumpft. Wo sind sie nur alle geblieben, fragte man sich da unwillkürlich. Will man diese Frage beantworten, muss man zunächst einmal zwischen Fußvolk und hohen Parteimitgliedern bzw. Funktionären unterscheiden. Das Fußvolk der Partei dürfte noch genau dort zu finden sein, wo es immer war, in den Fabriken, hinter der Ladentheke und an ähnlichen "lukrativen" Arbeitsplätzen. Anders dagegen die ehemalige Parteiprominenz. Übergehen können wir an dieser Stelle all jene Funktionäre und Minister, die nach der Samtenen Revolution allein schon aufgrund ihres Alters in Rente gehen mussten, wie etwa der damalige Generalsekretär Milous Jakes, der Chefideologe Vasil Bilak, Premier Lubomir Strougal oder der bereits 1991 verstorbene Staatspräsident Gustav Husak. Die besten Startchancen in die kapitalistische Welt hatten wohl jene, die bis 89 in Unternehmen des Außenhandels tätig waren. Und die meisten von ihnen nutzten ihre Chance, was wohl nicht sonderlich schwer gewesen sein dürfte, verfügten sie aufgrund ihrer langjährigen Auslandskontakte und Fremdsprachenkenntnisse doch über einen entscheidenden Wissensvorsprung vor jenen blutigen Anfängern, mit denen man gerade in den ersten Jahren nach der Wende die Prager Straßen pflastern konnte. Nicht nur eine erfolgreiche Unternehmerlaufbahn samt finanziellem Gewinn in Millionen- ja in Milliardenhöhe standen dem beschriebenen Typ eines ehemaligen KPTsch-Mitglieds der gehobenen Sorte offen, auch das Tor in die große Politik war keineswegs verschlossen. Beispiele: der erste Ministerpräsident der Tschechoslowakischen Föderation, Marian Calfa, sowie der spätere Industrie-und Handelsminister Vladimir Dlouhy. Nach ihrem vorläufigen Ausscheiden aus der Politik haben beide aber wohl ausgesorgt: Während Dlouhy bedeutende ausländische Investoren in der Tschechischen Republik berät, leitet Calfa mit großem Erfolg eine Anwaltskanzlei und nennt inzwischen sogar die IC Bank sein eigen. Ein wahres Sammelbecken für ehemalige hohe KPTsch-Mitglieder bilden Firmen, die sich mit Import/Export von und nach Vietnam, Russland und in die Ukraine befassen, denn hier kommen ihre früheren Kontakte am besten zum Tragen. Nicht nur ehemalige Apparatschiks, auch Angehörige der ehemaligen Staatssicherheit StB, zogen mit der politischen Wende offenbar das große Los. Viele von ihnen machten sich selbstständig und gründeten eine Sicherheitsagentur oder eine Handelsgesellschaft. Auch hier lag - dank ihres Insiderwissens - der Wettbewerbsvorteil natürlich klar auf der Hand. Soweit also der berufliche Werdegang ehemaliger kommunistischer Parteibuchbesitzer. Was die nach der Wende aus der Taufe gehobene Kommunistische Partei Böhmens und Mährens angeht, so verhält es sich bei deren Parteispitze nicht viel anders. Kaum ein kommunistischer Parlamentsabgeordneter, der nebenbei nicht im Vorstand einer Firma oder Aktiengesellschaft sitzt bzw. selbst unternehmerisch tätig ist oder dies in den vergangenen Jahren zumindest einmal war. So ist etwa Vize-Parteichef Miroslav Ransdorf nicht nur Verwaltunsgratsmitglied des Museums der Arbeiterbewegung, sondern mit Parteikollege Filip auch alleiniger Gesellschafter der Firma BM Export, die Lokomotiven nach Vietnam verkauft. Um die eigene unternehmerische Tätigkeit - ein scheinbarer Widerspruch zur kommunistischen Parteidoktin - zu entschärfen, bemüht Ransfdorf gerne den Urvater der Kommunisten, Karl Marx. Der soll einst an seinen Freund und Sponsor Friedrich Engels die Worte geschrieben haben soll: "Lieber Fred, grau ist alle Theorie. Ewig grün ist nur das Business." |
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