| 1968 - 1998 |
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Der dreissigste Jahrestag der Invasion von Warschauer-Pakt-
Truppen in der Tschechoslowakei wurde am Freitag, den 21.8. mit
einer Gedenkveranstaltung vor dem Gebäude des tschechischen
Rundfunks in Prag begangen. An diesem Ort, der im August 1968
Schauplatz heftiger Strassenkämpfe war, versammelten sich die
Spitzen des tschechischen Staates, Zeitzeugen und Passanten, um
dem gewaltsamen Ende der tschechoslowakischen Reformbewegung des
Jahres 1968 zu gedenken.
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Das Gebäude des tschechischen Rundfunks war nicht zufällig
für die zentrale Gedenkveranstaltung zum 21. August ausgewählt
worden. Vor dreissig Jahren war der damals noch
tschechoslowakische Rundfunk eines der ersten Ziele, das die
sowjetischen Invasoren und ihre Verbündeten zu besetzen
beabsichtigten, wobei es zu blutigen Kämpfen mit der
unbewaffneten Bevölkerung kam. Zu Beginn der Gedenkveranstaltung
sprach der Generaldirektor des tschechischen Rundfunks Jezek den
damals noch während der Kämpfe weiterarbeitenden Redakteuren des
tschechoslowakischen Rundkfunks seine Anerkennung aus. In einer
weiteren Ansprache würdigte Regierungschef Milos Zeman den
Widerstand in den ersten Tagen nach der Invasion, erinnerte
jedoch auch an den 21. August 1969. An diesem ersten Jahrestag
der Invasion gab es zahlreiche Demonstrationen, die jedoch
von tschechoslowakischen Soldaten und Polizisten
niedergeschlagen wurden. Er sagte hierzu: "Lasst uns also darüber nachdenken, was während dieses kurzen Jahres passiert ist, warum vielen so leicht das Rückgrat brach. Dies kann man nicht dem Volk vorwerfen. Dies ist den damaligen führenden Politikern vorzuwerfen" Weiterhin warnte er davor, politischen Erpressungsversuchen nachzugeben und erinnerte an die Haltung von Frantisek Kriegel, der sich als einziger damaliger Spitzenpolitiker weigerte, die sogenannten Moskauer Protokolle, in denen die Tschechoslowakei die sowjetische Invasion quasi anerkannte, zu unterschreiben. Die Vizevorsitzende des tschechischen Senats Mozerova schliesslich schloss die Veranstaltung. Sie rief dazu auf, die Erinnerung an den August 1968 als Warnung zu verstehen, sich niemals selbst zu verkaufen. Im Verlauf der Veranstaltung hatten wir die Gelegenheit, mit einigen damals Beteiligten über ihre Eindrücke am dreissigsten Jahrestag der Invasion zu sprechen. Olga Szantova, damals Redakteurin im tschechoslowakischen Rundfunk meinte etwa: "Damals hatten wir gar keine Zeit, daran zu denken, dass dies irgendwann einmal in die Geschichte eingehen wird. Wir arbeiteten, überlegten, taten unsere Pflicht, und dass das irgendwann einmal gefeiert werden würde, das ist uns überhaupt nicht eingefallen." Die Vizevorsitzende des tschechischen Senats Jaroslava Moserova sagte uns: Ein anderes Thema sprach der Kanzler des Präsidialamtes Ivan Medek an: "Wir befürchteten damals eine Nacht der langen Messer, das ist nicht passiert. Es passierte aber vielleicht etwas schlimmeres passiert, nämlich dass viele sich viele Leute mit der zeit der Normalisierung identifizierten und kollaborierten." |
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