1968 - 1998 Radio Prague
An den dreissigsten Jahrestag der sowjetischen Okkupation der Tschechoslowakei im August 1968 wird derzeit nicht nur in Prag mit einer ganzen Reihe von Ausstellungen und Veranstaltungen erinnert. Ab dem heutigen Montag ist im Garten der Prager U- Bahnstation Malostranska eine weitere Ausstellung zu sehen.

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Die neueste Ausstellung über das Jahr 1968, die derzeit auf dem Gelände der Metrostation Malostranska zu sehen ist, widmet sich insbesondere den ersten Tagen der Okkupation. Unter den an Schnüren aufgehängten Zeitungsartikeln, Proklamationen und Fotos sind jedoch auch Dokumente wie die berühmten, nach 1969 kursierenden Fragebögen, in denen die Bürger ihre persönliche Haltung während der Augusttage 1968 darlegen mussten, zu sehen.

August '68 An der Eröffnung dieser Ausstellung nahmen nicht nur Akteure des Jahres 68 teil, sondern auch einige Minister der tschechischen Regierung, angeführt von Premier Milos Zeman. Dieser verwahrte sich in seiner kurzen Ansprache dagegen, die Reformbewegung des Jahres 1968 nur als Konflikt innerhalb der kommunistischen Partei zu erklären. Weiter sagte er, in Hinblick auf die nach der kurzen Phase des Widerstandes gegen die Okkupanten erfolgten Säuberungen und Zensurmassnahmen, und auf die Demonstrationen des Jahres 1969, die nicht mehr von einer fremden Macht, sondern von tschechoslowakischen Soldaten und Polizisten niedergeschlagen wurden: "Unterliegen wir daher keiner allzugrossen Heroisierung unseres Widerstandes. Fragen wir uns, was während dieses Jahres passiert ist und warum sich so viele Verräter und Kollaboranten fanden, denen das Rückgrat gebrochen wurde. Fragen wir uns, warum ein kleines Land so leicht den Erpressungsversuchen einer benachbarten Grossmacht unterlag. (...) Man sollte sich darüber im klaren sein, dass wenn man Erpressungsversuche nicht von Anfang an bemerkt, die Erpressung ein endloser Prozess sein wird. Und derjenige, der meint, einer Erpressung nachzugeben, bedeute, diese Erpressung zu beenden, irrt. Einer Erpressung nachzugeben bedeutet im Gegenteil, einer noch grösseren Erpressung Tür und Tor zu öffnen."

Zeman schloss seine Ansprache mit einer Ehrerbietung an Frantisek Kriegl, den einzigen tschechoslowakischen Spitzenpolitiker, der die sogenannten Moskauer Protokolle nicht unterschrieben hatte, mit denen die Sowjetunion die Tschechoslowakei im nachhinein zu einer Anerkennung der Okkupation zwang. Die Ausstellung ist noch bis Ende August zu sehen. 


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